8-Loch Okarinas

(c) E. Stennes-Falter

Was ist eine 8-Loch-Okarina?

Die Frage ist durchaus ernst gemeint, denn nicht jeder zählt die Löcher einer Okarina in derselben Weise.

Der Grund:

Wenn ein Loch der 6-Loch Okarina in zwei Löcher aufgeteilt wird, zählen die einen solche Splitholes als ein Loch, andere jedoch als 2 Löcher. So kommt es dann, dass eine Okarina mit 6-Loch-Griffsystem von einigen als 7-Loch Okarina bezeichnet wird, während andere das Splithole ignorieren und mit Bezug auf das 6-Finger-Griffsystem von einer 6-Loch-Okarina sprechen.

Damit keine Verwechselung mit 7-Loch Okarinas entsteht, die mit einem 7-Finger-Griffsystem gespielt werden, bezeichne ich solche Instrumente als 6+1-Loch Okarina. Das liest sich zugegebenermaßen etwas sperrig, macht Okarinakennern aber sofort klar, dass man etwas genauer hinsehen muss, um zu erkennen, um was für ein Instrument es sich handelt. Die Klassifizierung der Instrumente ist dadurch etwas einfacher.

Es gibt auch 6-Loch Okarinas mit 2 Splitholes. Die nenne ich folgerichtig 6+2-Loch-Okarina. Außerdem gibt es 7+1-Loch Okarinas.

 

In folgenden Betrachtung geht es um Instrumente, die ein mit 8 Fingern zu spielendes Griffsystem aufweisen.

Vergleiche

8-Loch Okarinas lassen sich in verschiedenen Formen mit unterschiedlichen Griffsystemen finden. Trotz unterschiedlichem Fingersatz kann die Ausdehnung des Tonraums gleich sein.

 

Da Gämshörner/Gemshörner ebenfalls zu den Gefäßflöten zählen, beziehe ich das aus Ton gefertigte 8-Loch Gämshorn von Annemarie Geissmann in den Vergleich mit ein. Im Unterschied zu den Pendant-Okarinas sind die Grifflöcher in einer langen Reihe angeordnet.  Dadurch ähneln sie ein wenig der italienischen 8-Loch-Okarina. Diese beiden Okarinatypen unterscheiden sich aber nicht nur durch die Position des Mundstücks. Auch die Griffweise unterscheidet sich bei einzelnen Tönen.

Reichweite: eine Oktave, chromatisch

Der Ungar Árpád Takács bietet Ocarinas mit einem 8-Loch-System an, das eine Besonderheit aufweist, die bei manchen für Verwirrung sorgt:  beim Wechsel von a nach h (engl. B) müssen 2 Finger abgehoben werden! Öffnet man nur einen Finger, beträgt der Anstieg nur einen Halbton und man landet man auf b (englisch Bb).

In den 1980er Jahren kaufte ich auf einer Kunsthandwerkermesse zwei kleine "Birnenflöten". Sie lassen sich nach derselben Grifftabelle spielen, wie die Instrumente von Takáks.

Die Grifftabelle auf dem Tütchen, das ich damals dazu bekam, weicht allerdings ein klein wenig von dem von Takács verwendeten Griffsystem ab, das ich am  Marktstand fotografieren durfte.

körtemuzsika - Grifftabelle aus den 1980ger Jahren
körtemuzsika - Grifftabelle aus den 1980ger Jahren

Reichweite: eine None, chromatisch

Die None ist der 9. Ton der Tonleiter.

Die Griffweise der grauen Taschenflöte ähnelt der einer Blockflöte mit "deutscher" Griffweise. Eine besondere Eigenheit:

Der Griff für das hohe C wird wie auf Blockflöte und Gämshorn mit den linken Fingern 1+3 (Daumen + Mittelfinger) gespielt.

 

Die Grifftabelle zeigt die Löcher der rechten Hand rechts. Das Loch für den kleinen Finger wird oben angezeigt, das Loch für den Daumen unten.

Zum Vergleich die Grifftabelle von Annemarie Geissmanns Gämshörnern. Trotz der unterschiedlichen Darstellungsform ist die große Übereinstimmung bei den Griffen für die Stammtonreihe leicht zu erkennen. Lediglich bei den oberen chromatischen Stufen gibt es Abweichungen.

 

Die Spielweise der 8-Loch-Vögel von "Ocarinamusic" (Rotter) und "Musique de Terre" (Gosselink) unterscheiden sich im Bereich der Stammtöne durch die Finger-Daumen-Folge.

 

Bei der Rotter 8-Loch-Okarina wird der rechte Daumen wie bei seinen 7-Loch-Okarinas in der Mitte der Toleiter abgehoben. Der linke Daumen ist als letzter dran.

 

 

Bei den 8-Loch-Okarinas von Gosselink wird der rechte Daumen an vorletzter Stelle und der linke Daumen an letzter Stelle abgehoben.

Italienische 8L Travers Ocarina

Bei der Suche nach Beschreibungen anderer 8-Loch Okarinas stieß ich auf die Geschichte der mallorquinischen Okarinas. Hinweise auf das Griffsystem suchte ich bislang allerdings vergebens. Möglicherweise werden sie wie die italienischen 8-Loch Travers-Okarinas gespielt. Meine Bass-Okarinas von Giorgio Pacchioni haben alle nur 8 Löcher. Die Begrenzung der Grifflochzahl sorgt für einen besonders vollen und stabilen Klang der großen Okarinas. Ihr Tonraum reicht bis zur None.

Manche Griffe können gegen alternative Griffe ausgetauscht werden. Bei schwer zu spielenden Tonfolgen kann man dadurch unter Umständen eine leichter zu spielende Griffolge finden.

Reichweite: eine Duodezime, chromatisch

Mit Hilfe einer Erweiterung des English Crossfingering, wird ein chromatischer Tonraum mit der Reichweite einer Duodezime spielbar. Auf der diatonischen Stammtonleiter sind das 12 Stufen. Inclusive aller chromatischen Stufen stehen auf dieser Okarina von Kevin Wright gebauten Okarina 19 Tone zur Verfügung!
Der tiefste Ton liegt unter dem Grundton.

Tenrai bietet eine andere 8-Loch Variante an. Sie enthält 2 Subholes und wird mit 6 Fingern gespielt. (noch nicht getestet).

 

8-Loch Okarinas mit 2 Kammern

Bei manchen Duett-Okarinas werden die beiden Kammern mit jeweils 4 Grifflöchern gespielt. Äußerlich gesehen scheinen das 8-Loch Okarinas zu sein. Da das Griffsystem aber auf 4 Grifflöchern basiert, ordne ich sie bei den 4-Loch-Griffsystemen ein.

 

Notensammlungen für 8-Loch-Okarinas

Je nach Griffsystem reicht der Tonraum vom Grundton bis zur Oktave oder zur None. Auf diesen Tonraum abgestimmte Notenbücher mit Volksliedern und Tanzweisen verschiedener Länder wurden bereits für andere Griffsysteme vorgestellt. Diese Sammlungen arbeite ich bei Bedarf auf die verschiedenen 8-Loch-Griffsysteme um. Die Lieferzeit beträgt etwa 4 Wochen. (Bestellung per e-mail)

 

Der erste Band der 8-Loch-Okarina-Schule (Griffsystem Takács) ist bereits erschienen. Infos hier > klick<

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