Schüttelidiophone

(c) stennes-falter

 

Schüttelidiophone gehören zu den archaischen Instrumentenformen, die vermutlich in allen Kulturen zu finden sind. Man trifft sie in großer Vielfalt an, als Babyspielzeug, Volksinstrument, Kultobjekt der Schamanen, in der Latin Percussion, als Jazzinstrument u.a.m.

 

Die Archäologen fanden Rasseln auf Wandgemälden und als Grabbeigaben.

 - Tonrasseln im Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt

 

Je nach Bauform unterscheidet man zwischen

 

  • Gefäßrassel

Beispiele:

- Caxixi (Korbrassel)
- Floßrassel
- Ganza
- Kugelrassel
- Kürbisrassel
- Maracas
- Rainstik (Regenmacher / Regenstab)
- Schüttelei
- Stabrassel

 

  • Rahmenrassel

Beispiele:

- Rocar
- Schellenkranz
- Schellenstab
- Sistrum

 

  • Netzrassel

Beispiele:

- (Afuche)
- Chekere

 

  • Bündelrassel

Beispiele:

- Kolanussshaker
- Schlüsselbund

- Ahornchimes  (Anregungen für ein Bastelprojekt)

 

 

Gestaltungsideen

Bei der Gestaltung von Rasseln sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Durch gezielte Materialauswahl können Rasseln mit verschiedenen Klanghöhen hergestellt werden.

 

Die vier Grundtypen erfordern unterschiedliche Spieltechniken, aus denen sich vielfältige Klangfarben und -muster ergeben. Um daraus interessante Klangcollagen entwickeln zu können, wählt ein Percussionkünstler die Materialien seiner Rasseln mit viel Bedacht aus.

 

 

Gefäßrasseln

Das Funktionsprinzip der Gefäßrassel ist unabhängig von Form und Gestalt immer gleich: kleine Gegenstände rollen oder springen in einem Gefäß umher, schlagen dabei gegen die Gefäßwand und bringen diese dadurch zum Klingen.

Der Klang einer Rassel hängt in erster Linie von den Klangeigenschaften der Rasselgefäße ab. Abhängig von Größe, Wanddicke, Material und Materialdichte ist der Klang heller oder dunkler, schärfer oder weicher, lauter oder leiser. Die Füllung, bzw.  Material, Form, Größe und Menge der Füllung, wirken sich ebenfalls auf den Klang der Rassel aus. Runde Kügelchen können durch gleichmäßiges Rollen einen feinen, surrenden Klang erzeugen. Kugelige, jedoch nicht ganz ebenmäßige Formen rollen ungleichmäßig und produzieren dadurch eher ein feines Klickern. Gegenstände, die durch die Bewegung der Rassel nicht zum Rollen gebracht werden können, erzeugen beim Rutschen ein schabendes Geräusch, das in Intensität, Schärfe und Lautstärke von der Menge, der Härte und dem Gewicht der Füllung abhängt. Je nach dem, wie man die Rassel bewegt, erreicht man ebenfalls Klangvariationen. Welche Bewegungsformen und somit auch welche  Klangeffekte möglich sind, hängt von der Bauform ab.

 

offene Gefäßrasseln

Alle Gefäße mit geraden Wänden oder einer nach innen gezogenen Öffnung lassen sich als offene Gefäßrassel nutzen. Das können Schüsseln, Tassen, Dosen, Becher und Flaschen sein. In diese legt man eine oder mehrere kleine Kugeln (z.B. Glasmurmeln) hinein. Durch waagerechtes Kreisen der Schale beginnen die Kugeln im Gefäß zu rollen und verursachen dadurch ein lang gezogenes, surrrendes Geräusch.

Jedes Gefäß klingt anders. Feste Materialien klingen z.B. hell, scharf oder brilliant, weiche Materialien dagegen eher leise, dumpf oder dunkel und manchmal klappernd. Auch das Material der Füllung verändert den Klang. Viel Raum für Experimente!

 

Gruppenerlebnis mit offenen Gefäßrasseln

In einer Gruppe kann man das Spiel mit Gefäßrasseln so aufeinander abstimmen, daß dabei eine Melodie entsteht.

 

 

geschlossene Gefäßrasseln

 

rasselnde Früchte

Manche Gefäßrasseln braucht man nur aufzusammeln.  Hartschalige Früchte mit harten Kernen z.B. lassen sich nach ausgiebigem Trocknen als Rasseln verwenden. Die bohnenförmigen Früchte des Affenbrotbaumes erzeugen einen groben, klappernden Klang. Kürbisse rasseln meistens sehr fein und leise. Um diesen Klang zu verstärken füllt man die Kürbisse mit winzigen Steinchen. Der zu diesem Zweck abgeschnittene Deckel wird anschließend so geschickt wieder aufgeklebt, daß die Schnittkante als Zierlinie in der Dekoration verschwindet. Um den Klang der Kürbisrassel hell und scharf werden zu lassen, holt man alle weichen Fasern aus dem Kürbis heraus und schleift die Innenwand glatt. Je mehr weiche Fasern im Kürbis verbleiben und so stärker wird der Klang der Kürbisrassel gedämpft. Mit etwas Geduld und Glück verbessert sich der Klang der Kürbisrassel aber auch, ohne sie aufzuschneiden. Durch wiederholtes kräftiges Schütteln, befreien sich die harten Kerne nach und nach aus dem Gespinst der Fruchtfleischfasern. Je mehr die Fasern zerbröseln und je mehr Spielraum die Kerne bekommen, um so mehr kann man durch Schütteln den Innenraum des Kürbis mit dessen eigenen Kernen frei schlagen und dadurch den Klang verbessern.

 

Dosen- und Schachtel-Rasseln

sind die wohl am schnellsten herzustellenden Rasseln. Die Verpackungsindustrie produziert Behälter in allen Größen und Formen. Davon läßt sich eine Menge verwenden. Einfach ausprobieren, welche Füllung darin am besten klingt und schon kann der Klangzauber los gehen.

 

2-töner

Baut man den Rasselkörper ähnlich wie eine Caxixi aus verschiedenen Materialien (Körbchen mit Metall- oder Kürbisboden), lassen sich damit später 2-Ton-Effekte erzeugen. Anstatt ein Körbchen zu flechten, kann man auch eine feste Pappröhre mit Deckeln aus Metall oder Kunststoff verschließen oder eine leere Konservendose mit einem Plastikdeckel oder einer Membran abdecken.

Netzrasseln

... sind das Gegenstück zu den Gefäßrasseln. Anstatt den Klangkörper mit kleinen harten Gegenständen zu füllen, flicht man ein Netz herum und bindet dabei Perlen, Muscheln oder Nußschalen ein. Das Netz darf den Klangkörper nur locker umhüllen, damit man es gut bewegen kann.

 

Um eine Netzrassel herzustellen, benötigt man ein hartes, dünnwandiges Gefäß. In Afrika werden dafür bevorzugt hartschalige Kürbisse genutzt. Ihre Form eignet sich besonders gut, um ein Netz mit Perlen darum zu knüpfen.

Mit etwas handwerklichem Geschick kann man auch eine Kokusnuss mit einem Griff versehen und diese mit einem Netz umflechten.

Konservendosen funktionieren auch, wenn man statt dem Netz auf Gummiband aufgezogene Perlenketten  um die Dose spannt. Diese Rasselform ähnelt dann einer Afuche aus der Latin-Percussion.

Rahmenrasseln

... funktionieren zum Teil nach dem Prinzip der Gegenschlaginstrumente. Während Gefäß- und Netzrasseln einen Klangkörper haben, der von kleinen Gegenständen angeschlagen wird, bringen sich bei Rahmenrasseln vielfach die in den Rahmen eingehängten Teile gegenseitig zum Klingen (Scheibensistrum, Schellenstab). Es gibt allerdings auch klangfähige Rahmen, die durch das Schütteln der eingehängten Gegenstände zum Klingen gebracht werden (Bronzesistrum).

Bündelrassel

Schlüsselbund, ein paar kleine an Bändern hängende Gegenstände, Walnußschalen mit Aufhänger versehen und bündeln ... einfach ausprobieren, was geht.