Okarinasammlung - Giorgio Pacchioni (IT)

letztes Update 10.1.2019

 

Vielen Dank an Giorgio Pacchioni für die Erlaubnis, dass ich seine Fotos auf meiner Webseite veröffentlichen darf!

Über Giorgio Pacchioni (*1947)  ist eine kurze Biografie in Wikipedia zu lesen:

Von 1977 bis 2006 hatte er den Lehrstuhl für Blockflöte am Conservatorio G.B. Martini in Bologna (Italien) inne. Als er in den Ruhestand ging, zog er für einige Jahre nach Ubatuba (Brasilien). Inzwischen lebt er wieder in Italien.

Pacchioni ist ein Musikwissenschaftler, der sich auf die Wiederbelebung der Barockkomposition in der Neuzeit spezialisiert hat und im Internet mit seinen neo-barocken Kompositionen und Fugen eine Fangemeinde gewonnen hat.

Giorgio Pacchioni ist ein Meister der Musik von Francesco Antonio Vallotti, sowohl als Performer als auch als Komponist.

Er arbeitete aktiv mit dem Musikverein „Antiqua“ zusammen, um die Übertragung von Girolamo Dalla Casas Secondo libro de Madrigali und seiner Musik in Venedig (Venedig 1590) durchzuführen: Er stellte das gesamte Tenore-Partbook neu zusammen, das in der einzigen noch vorhandenen Kopie des ursprünglichen Drucks fehlt. Die auf diesem Werk basierende CD, die von "Il terzo suono" unter der Leitung von G.P.Fagotto aufgeführt wurde, gewann den "Speciale raccomandazione della giuria del premio discografico internazionale A. Vivaldi".

Pacchioni ist auch ein bekannter Okarina-Hersteller. 

- - - Quelle: Wikipedia

Pacchioni studierte historische Instrumente aus Budrio, gebaut von Donati, Mezzetti und Vicinelli. Die besten kopierte er und entwickelte dann seinen persönlichen Stil.

Pacchioni beschreibt seine Instrumente auf einer englischen Webseite folgendermaßen:
Intonation : Stable and at 20 cent. under 440 hz. (which is necessary to make the Ocarina play perpetually as tuning instrument when it is warm and not cold).
Timbre : Round, mellow and very clear.
Tuning of its holes: Careful.
Fingering : Classical (as during the 19th Century) and with double holes in the first opening (C-C#).
Shape : Classical, as in Budrio's tradition (near Bologna) in the 19th Century, with a dome in the left corner.
Range : 13 notes in chromatic scale (for the first two sizes), 11 notes in chromatic scale (for larger sizes).
Production : All the classical models, models of my own reconstruction, models of my own invention, experimental models.
Models upon request: With no price increase, Ocarinas with any basic tuning (D flat, F#, and so on) are manufactured

- - - Quelle: http://web.tiscali.it/contra/ocarina/X0004_4.html

Meine Pacchioni-Okarina-Sammlung besteht zu einem großen Teil aus Instrumenten, die Pacchioni in der Zeit von 2016 bis 2018 baute. Im Oktober 2018 wurde die Sammlung durch den Ankauf eines Teils der von Hans Rotter (Okarinamuseum, Oberkappel) angebotenen Pacchioni-Okarinas ergänzt.

 

Ich spiele überwiegend auf den neuen Instrumenten. Von den alten Instrumenten ist die F6 mein großer Favorit!

An Pachionis Instrumenten schätze ich die Leichtigkeit, mit der sie sich ausdrucksvoll spielen lassen. In seinem "Spätwerk" spürt man die mannigfachen Erfahrungen, die er im Laufe von nun 35 Jahren gesammelt hat, sowie die Ruhe, Zeit und Präzision, die er in seine Instrumente investiert.

Die Kammern seiner mehrstimmigen Okarinas sind wunderbar ausbalanciert. Zweistimmige Klänge gelingen voll und rund.

 

Pacchioni baute eine Reihe verschiedener Okarinatypen; früher unter anderem auch kleine Pfeifchen und figürlich geformte Instrumente. 

Die Okarinas mit einer Kammer baute er in allen Tonarten. Er stimmte die Instrumente nicht nur in der üblichen chromatischen Skala, sondern bot auch Okarinas mit anderen Skalen an.  Dann sind da noch die für das zweistimmige Spiel gedachten Bitonalen Okarinas und verschiedene Mehrkammer-Instrumente, von denen sich die Doppia mit Pacchioni-System auch als Duett-Okarina nutzen lässt! Um das zu ermöglichen, hat Giorgio Pacchioni die Blasdruckkurve der Mehrkammerinstrumente in besonderer Weise ausbalanciert. Sie steigt nur wenig an, so dass auch asymmetrische Griffe gut funktionieren.

Blick in die Werkstatt

Giorgio Pacchioni benutzt bei der Herstellung der Okarinas lediglich Schablonen wie z.B. Kegel, die die Hohlkörper stützen oder Schnittmuster, die für eine einheitliche Form und Größe seiner Instrumente sorgen. Seine Instrumente entstehen in reiner Handarbeit, die immer weiter perfektioniert wurde.

Blick auf seinen Arbeitsplatz

(c) Giorgio Pacchioni
(c) Giorgio Pacchioni

Ich finde es spannend, anhand von Fotos zu verfolgen, wie seine Instrumente Schritt für Schritt entstehen. Zur Zeit (2017/2018) benutzt er einen italienischen Ton, der im ungebrannten Zustand hellgrau aussieht.

Die nachfolgenden Videos zeigen in Form einer Fotoserie Arbeitsschritte bei der Herstellung verschiedener Okarinas.

Die Folge entspricht dem Jahr der Veröffentlichung in Giorgio Pacchionis You Tube Kanal.

2007 -  Madama lampo - Herstellung einer Bass Ocarina

2008 -  Sonatina "Il grillo" - Herstellung kleiner Okarinas

2010 -  Dream - Herstellung einer Okarinas

Durch das Brennen (P. gibt die Instrumente dazu in eine Töpferei) sehen die Instrumente später hellbraun, braunrot oder hell ziegelrot aus. Die Farbe hängt vom verwendeten Ton ab. Im Innern der Instrumente kann man sie noch erkennen. Die endgültige Außenansicht bekommen die Instrumente durch einen Überzug mit Schellack.

Die meisten Instrumente meiner Pacchioni-Sammlung sind hellbraun oder orangebraun. Lediglich die weiße Quadruple (gebaut aus weißem Ton) und die grüne Okarina mit dem weißen Hähnchenkopf machen da eine Ausnahme.

Auf Fotos und Videos, die Pacchionis Angebot auf Märkten einfingen, sieht man seine Okarinas hin und wieder auch in schwarz.

 

Pacchioni-Sammlung Ansicht der Daumenseite
Pacchioni-Sammlung Ansicht der Daumenseite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualitätsentwicklung

... war und ist für Pacchioni sehr wichtig.

 

Die heutige Qualität der Instrumente ist das Ergebnis von 35 Jahre Erfahrung. Wenn man alte und neue Instrumente vergleicht, kann man erkennen, dass Pacchioni Feinheiten an Rampe, Mundstück und Körper verändert hat. Das Gesamtbild seiner Instrumente weist aber von Anfang an seine unverwechselbare Handschrift auf, so dass man die meisten auch dann erkennen kann, wenn sie mal keinen Stempel mit seinem Namen tragen.

 

Stempel

Da die Okarinas keine Seriennummern oder Datierungen aufweisen (was auch unüblich wäre) ist das Alter der Okarinas kaum oder nur sehr vage feststellbar, wenn der Vorbesitzer keine Angaben über den Ankauf der Instrumente machen kann. Bei der Inspektion der alten Instrumente fielen mir allerdings unterschiedliche Stempel auf. Die lassen zumindest eine grobe zeitliche Zuordnung der aus der Sammlung Rotter übernommenen Instrumente zu. Dazu muss man wissen, dass Giorgio Pacchioni 1983/84 mit dem Okarinabau begann, also vor rund 35 Jahren. Damals wohnte er in Cesena. Deshalb zeigt sein erster Stempel den Namen dieser Stadt und einen Hinweis auf die Provinz, zu der sie gehört. Als Pacchioni 2003 von dort weg zog, entwarf er einen neuen Stempel, den er bis heute verwendet.

 

1984 - 2003  Cesena - FO (= italienische Provinz Forli)

2003 - heute  Italien - Stern

 

Anfänge

Wer seit vielen Jahren die Okarinaszene beobachtet weiß, dass Giorgio Pacchioni in der Zeit von etwa 1985 bis 1990  für die Firma Plaschke Okarinas baute. Ein Beleg dafür fand sich in Rotters Pacchioni-Sammlung: eine kleine G2 gestempelt mit dem Label "Plaschke Bozen".  Beim Auspacken der Okarina hatte ich keinen Zweifel, dass ich da eine Pacchioni in der Hand hielt. Nur der Stempel kam mir eigenartig vor. Mit bloßem Auge konnte ich zwei Wörter zunächst nicht richtig erkennen. Eines hatte den Anfangsbuchstaben P und kurz dahinter ein A. Und dann las ich noch Bozen. Ich war verunsichert. Eine Pacchioni Okarina aus Bozen? Und dann staunte ich nicht schlecht, als ich auf dem vergrößerten Foto den Namenszug "Plaschke" entzifferte. Das dürfte dann wohl ein "Frühwerk" von Pacchioni sein. :-)

 

Was brachte Pacchioni dazu, in seiner Freizeit Okarinas zu bauen? Pacchioni lehrte viele Jahre an der Musikhochschule von Bologna. Eines seiner Fächer war die Blockflöte. In diesem Zusammenhang  beschäftigte ihn sehr früh die Frage, warum die Okarina ein weit weniger angesehenes Instrument ist und wie man die Qualität der heimischen Okarina so verbessern könne, dass man sie nicht nur in der Volksmusik sondern auch zum Spielen anspruchsvoller Werke nutzen kann. Die Antwort konnte er nur finden, indem er selbst begann, Okarinas zu bauen. ...

 

Auch in der Ferne ging der Okarinabau weiter

Giorgio Pacchioni lebte eine Zeit lang in Brasilien. Via Internet war er aber von Europa aus trotzdem gut erreichbar. Auf seiner Webseite hinterlegte er Beschreibungen zu seinen Instrumenten in italienisch und englisch und in der ganz schön lang gewordenen Produkt-/Preisliste war ablesbar, welche Instrumente sofort erhältlich waren oder ob man sich auf eine längere Wartezeit einrichten musste.

 

Forscherdrang

Pacchioni erprobte im Laufe der Zeit verschiedene Tonsorten. Als er in Brasilien um 2013 einen leichteren Ton bekommen konnte, begann er mit dem Bau des Quadruple C-Bass. Das klappte nicht ohne Rückschläge. In seinem FB-Account zeigte er ein beim Brand geplatztes Instrument. Ob der Schaden durch Restfeuchte oder eingeschlossene Luft verursacht wurde? Wer weiß ... 

Zur Freude seiner Kunden gab Pacchioni nicht auf und experimentierte so lange, bis die Herstellung einer 4-Kammer Bass-C-Okarina gelang.

 

Die stete Verbesserung der Mehrkammer-Okarinas, die Erweiterung der Spielmöglichkeiten und die Optimierung seines eigenen überlappenden Intonationssystems, das bei Okarinakennern als "Pacchioni-System" bekannt ist, war und ist ihm besonders wichtig. Gleichzeitig arbeitete er aber auch lange daran, Klang und Ansprache der typischen italienischen Okarina mit einer Kammer immer weiter zu verfeinern und schließlich das erreichte Niveau auf hohem Level zu halten. Es versteht sich von selbst, dass nicht jedes Instrument exakt gleich ausfällt. Schließlich sind die Instrument per Hand geformt und die Auswirkungen des Brennvorgangs sind ebenfalls nie zu 100% vorhersehbar. Doch bei Pacchioni konnte ich mich bislang immer darauf verlassen, dass er mir stets gute Instrumente schickt. Was seinen hohen Qualitätsansprüchen nicht entspricht, kommt unter den Hammer. Und das ist wörtlich gemeint!

Travers-Okarinas mit einer Kammer

 

Travers-Okarinas mit einer Kammer sind die typischen Instrumente eines italienischen Okarina-Septetts. Die Original-Besetzung ist

1 Do - 2 Sol - 3 Do - 4 Sol - 5 Do - 6 Sol -  7 Do 

Die für Okarinas geschriebenen Arrangements berücksichtigen diese Stimmlagen. Wer sich mit dieser Literatur beschäftigen möchte, hält deshalb als erstes nach diesen Instrumenten Ausschau.

Da  der Tonraum dieses Okarinatyps auf maximal eine Duodezime (inclusive Unterblasen des Grundtons) begrenzt ist, benötigt man im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten weitere Okarinas in anderen Tonarten.

Aus diesem Grund suchte ich ebenfalls zuerst nach C und G-Instrumenten und ergänzte bei sich bietender Möglichkeit auch sofort F- und B-Instrumente.

Mit den Instrumenten aus der Sammlung Rotter wurde meine Pacchioni Sammlung im Oktober 2018 sprunghaft vergrößert. Die Stimmlagen der kleineren Travers-Okarinas sind jetzt aufgrund des im Sammelkauf enthaltenen "Beifangs" doppelt vertreten. Da aber keine der Okarinas identisch ist, hat die Kollektion dadurch jetzt einen ganz besonderen Reiz.

 

Zahl und Positionen der Grifflöcher

Die von Pacchioni gebauten Travers-Okarinas weisen eine unterschiedliche Zahl von Grifflöchern auf. Kleine Instrumente baut Pacchioni mit 10 und 11 Löchern. Die Pacchioni Bass-Okarinas haben alle nur 8 Grifflöcher.

Die Position des Subholes wechselte er. Auf manchen Okarinas findet man das Subhole im Bereich der linken Hand, auf anderen im Bereich der rechten Hand.

Um ein Splithole bauen zu können, muß die Spitze der Okarina breiter sein als bei Instrumenten ohne Splithole. Inwieweit sich das auf Klang und Balance auswirkt, kann ich nicht sagen. Ein Splithole für das C/Cis-Loch finden manche (oder sogar viele ?) Okarinaspieler unverzichtbar. Beherrscht man die passende Grifftechnik, kommt man bei einem gut in der Hand liegenden Instrument auch sehr gut ohne Splithole aus.

An den Variationen der Grifflöcher, der Veränderung des Korpus, der Rampe und des Kernspalts erkennt man Pacchionis Experimentierfreude und seine Suche nach der optimalen Formgebung der Okarina für eine gute Bespielbarkeit und einen guten Klang.

 

 Zum Thema "Subhole ja oder nein?" erklärte Pacchioni auf seiner Webseite:

Ich muss darauf hinweisen, das nicht auf jeder Okarina ein Subhole eingerichtet werden kann. Die Instrumente werden in Handarbeit hergestellt. Daher ist nicht vorhersehbar, ob ein Subhole möglich ist oder nicht. In bestimmten Fällen muss auf das Subhole zugunsten einer besseren Balance der Töne verzichtet werden. Das 11. Loch (Subhole) verlangt ein größeres Fenster (wider Voicing). Das aber verändert den Klang zu seinem Nachteil, indem es gegen den süßen Klang des Instruments geht. (The eleventh hole needs a wider voicing and that goes against a sweeter tone of the instrument.)

 

 

Dritta Ocarinas

Zwischen den Travers-Okarinas befinden sich auch zwei längs geformte Instrumente (G2 und C3). Die dafür erforderliche Spielhaltung ähnelt der von Gämshörnern. Korpus, Mundstück und Griffweise entsprechen aber denen von Traversokarinas. Diese Instrumente nennt Pacchioni "ocarina dritta" = "gerade Okarina" oder auch "Oca Pfiffero" (auf Fotos vom Okarinafestival 2008 in Bludenz in Pacchionis Auslagen zu sehen). Meine beiden Drittas tragen den Cesena-Stempel. Somit müssten sie in oder vor 2003 gebaut worden sein.

Auf meine Frage, wie er zum Bau dieser Okarinaform gekommen sei, schrieb Pacchioni mir, dass diese Instrumente ein Experiment gewesen seien. Er hatte ausprobieren wollen, wie sich eine Okarina spielen lässt, die ähnlich wie eine Blockflöte zu halten ist. Das ist eine Frage, die viele beschäftigt, wenn sie mit der Haltung der Travers-Okarina hadern. Deshalb war und ist er nicht der Einzige, der sich mit dieser Okarinaform beschäftigt hat. (siehe auch > http://www.campin.me.uk/Music/Ocarina/Italiano.pdf)

Irgendwann stellte Pacchioni die Produktion dieser Okarinaform wieder ein. Er meint, dass die traditionelle Travers Okarina ergonomischer ist und sich besser halten und spielen lässt als die Dritta. Dieses Empfinden hatte ich spontan auch. Es hängt damit zusammen, dass man anders als beim Gämshorn den rechten Daumen in das Spiel einbeziehen muss. Damit das Spiel mit dem rechten Daumen gelingt, nutzt man auf der Travers-Okarina spezielle Sicherungsgriffe, die auf der Dritta nicht in derselben Weise funktionieren. Stattdessen muss man wie beim Spiel einer Pendant-Okarina wenigstens einen der beiden kleinen Finger unter die Spitze der Dritta schieben, um sie gegen das Abrutschen zu sichern. Da der Finger aber auch ein Griffloch bespielt, muss man üben, zwischen Griffloch und Stützposition zu wechseln. Eine passende Position findet sich, wenn man den rechten kleinen Finger so ausstreckt, dass die Spitze der Ditta in der Fingerbeuge oder auf der Innenseite der Fingerspitze stehen kann. Den linken Daumen darf man nicht in die Luft strecken, sondern muss ihn in eine Stützposition in der Nähe des Daumenlochs ziehen.

Miniokarinas

 

Von Pacchionis 6-Loch Miniokarinas befindet sich die kleinste in meiner Sammlung. Sie ist mit C0 markiert. Auf dem Foto liegt sie inmitten der Travers-Okarina-Spirale. Sie ist in dieser Sammlung eine der wenigen mit Cesena FO - Stempel. Mangels Grifftabelle habe ich zunächst ein wenig experimentiert, wie ihr am besten eine Tonleiter zu entlocken ist. Bei den obersten Tönen musste ich mir von Giorgio Pacchioni helfen lassen. Erst wenn man sich traut, den richtigen Blasdruck aufzubauen, kommen die einzelnen Stufen klar heraus.

Es gibt eine Aufzeichnung, in der Giorgio Pachioni seine Mini-Okarina in der Sonatine "Il Grillo" spielt:  > klick <

 

Mehrbettzimmer  :-)


Ich amusiere mich jedes Mal, wenn ich diese Übersetzung lese.  Multichamber Ocarina heißt deutsch "Mehrkammer-Okarina". Diesen sperrigen Ausdruck liest man aber selten.

Meine vier Mehrkammer Ocarinas repräsentieren das Pacchioni-System in zwei verschiedenen Doppias (G4 und C3), einer Tripla (C3) und einer Quadruple (G4).  Eine Bass-Quadruple in C hätte mich auch gereizt. Aber ich hatte Bedenken, sie mit meinen kleinen Händen halten zu können.

 

Die Mehrkammer-Okarinas entstehen wie ein Puzzle. Zunächst wird jeder Pfeifenkörper einzeln hergestellt. Wenn die Teile verbunden sind, muss das Werkstück trocknen, bis es lederhart ist. Dann werden die Öffnungen (Mundstück, Fenster, Grifflöcher) aufgeschnitten und herausgearbeitet.

 

Werkstattfotos (c) Giorgio Pacchioni

 

Bitonale Instrumente

Meine Sammlung bitonaler Instrumente umfasst inzwischen alle drei Typen, die Pacchioni baut: Terze Gemelle, Cornetto und Zampogna. Jedem dieser Instrumente werde ich irgendwann noch einen ausführlichen Bericht widmen.

 

Dies ist meine Zampogna während der Herstellung.

 

Was Giorgio Pacchioni noch so gebaut hat.

In meiner Sammlung nicht vertreten sind Beispiele seiner verschiedenen Pfeifen wie z.B. die Zoomorphic Whistles.

 

Seine Okarinas mit speziellen Skalen hatte ich ebenfalls noch nicht in der Hand. Auf seiner Liste standen:

Arabic Scale, Hexatonic Scale, https://en.wikipedia.org/wiki/Neapolitan_scale, Neapolitan Scale, Diminished Scale und Chromatic Scale.

Diese Instrumente sind alle Experimente, die er zum Spielen ganz bestimmter Musikstücke oder Musikstile baute.

 

Kurzbeschreibung der gesammelten Instrumente

 

Mini-Okarina  C0 / Pacchioni

Grifflöcher: 6

System: italienisch

Grundton: C7

Tonraumspanne: None

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

Stempel: C0 Giorgio Pacchioni Cesena FO

 

Travers-Okarina C1 / Pacchioni

Grifflöcher: 11+1

System: italienisch

Grundton: C6

Tonraumspanne: Duodezime chromatisch 19 Töne

besondere Ausstattung: Stimmzug

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina C1 / Pacchioni

Grifflöcher: 11

System: italienisch

Grundton: C6

Tonraumspanne: Duodezime chromatisch 19 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina B1 / Pacchioni 

Grifflöcher: 10+1

System: italienisch

Grundton: B5

Tonraumspanne: Undezime chromatisch 18 Töne

besondere Ausstattung: Stimmzug

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina  B1 / Pacchioni

Grifflöcher: 10

System: italienisch

Grundton: B5

Tonraumspanne: Undezime chromatisch 18 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina G2 / Pacchioni 

Grifflöcher: 11

System: italienisch

Grundton: G5

Tonraumspanne: Duodezime chromatisch 19 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina G2 / Pacchioni

Grifflöcher: 11+1

System: italienisch

Grundton: G5

Tonraumspanne: Duodezime chromatisch 19 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina F2 / Pacchioni

Grifflöcher: 10

System: italienisch

Grundton: F5

Tonraumspanne: Undezime chromatisch 18 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina F2 / Pacchioni

Grifflöcher: 11+1

System: italienisch

Grundton:  F5

Tonraumspanne: Duodezime chromatisch 19 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina C3 / Pacchioni

Grifflöcher: 11

System: italienisch

Grundton: C5

Tonraumspanne: Duodezime chromatisch 19 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina G4 / Pacchioni

Grifflöcher: 10+1

System: italienisch

Grundton: G4

Tonraumspanne: Undecime chromatisch 18 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina F4 / Pacchioni

Grifflöcher: 10

System: italienisch

Grundton: F4

Tonraumspanne: Undecime chromatisch 18 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina C5 / Pacchioni

Grifflöcher: 8

System: italienisch

Grundton: C4

Tonraumspanne: None chromatisch 14 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina G6 / Pacchioni

Grifflöcher: 8

System: italienisch

Grundton: G3

Tonraumspanne: None chromatisch 14 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Travers-Okarina F6/ Pacchioni

Grifflöcher: 8

System: italienisch

Grundton: F3

Tonraumspanne: None chromatisch 14 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Dritta-Okarina G2 C3 / Pacchioni

Grifflöcher: 10

System: italienisch

Grundton: G5 / C5

Tonraumspanne: Oktave + 3 chrom. 18 Töne

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

Doppia C3 P

Grifflöcher: 16+1

System: Pacchioni

Grundton: C5

Tonraumspanne: knapp 2 Oktaven, 23 Töne

Tonraum: H4 - A6

Tronraumverteilung: K1: H4-E6 / K2: (H5)C6-A6

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

Doppia G4 P

Grifflöcher: 15

System: Pacchioni

Grundton: G4

Tonraumspanne: knapp 2 Oktaven, 22 Töne

Tonraum: G4 - E6

Tronraumverteilung: K1: G4-H5 / K2: (A5)G5-E6

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

Tripla C3 P*

Grifflöcher: 21

System: Pacchioni

Grundton: C5

Tonraumspanne: gut 2 Oktaven, 28 Töne

Tonraum: H4 - D7

Tonraumverteilung: K1: (H4)C5-E6 / K2: (H5)C6-A6 / K3: (E6)F6-D7

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

Quadrupla G4 P

Grifflöcher: 25

System: Pacchioni

Grundton: G4

Tonraumspanne: gut 2,5 Oktaven, 32 Töne

Tonraum: F4 - C7

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

Terze Gemelle C3

Grifflöcher: 10

System: 2 Kammern im Terzabstand

Grundton: K1 C5 / K2 E5

Tonraumspanne: K1 Sexte / K2 Sexte

Tonraum: C5-A5 / E5-C6

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

Cornetto G2

Grifflöcher: 10

System: Cornetto

Grundton: G5

Tonraumspanne: K1 None / K2 Sexte

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

 

Zampogna

Grifflöcher: 10

System: Zampogna

Grundton:

Tonraumspanne: K1    / K2  

Hersteller: Giorgio Pacchioni, Italien

 

 

Bezugsquellen

Eine Pacchioni-Ocarinasammlung zusammenzutragen wird in den nächsten Jahren immer schwieriger werden.  Wer an diesen Instrumenten interessiert ist, darf nicht mehr lange zögern, wenn sich Chancen für den Erwerb schöner Instrumente auftun.
Der Teil der Webseite, auf der man sich früher die große Vielfalt der von Pacchioni gebauten Instrumente ansehen und bestellen konnte, wurde Ende 2017 abgeschaltet. Dafür gab es sicher gute Gründe. Einer davon: Giorgio Pacchioni feierte 2017 seinen 70. Geburtstag!

Aber so ganz mag Pacchioni die Leidenschaft, Okarinas zu bauen, noch nicht aufgeben. Wenn er Zeit und Muße hatte, sich damit zu beschäftigen, zeigt er von den Ergebnissen Fotos in seinem Facebook-Account. Wer interessiert ist, kann sich dann bei ihm melden. Für zuverlässige Kunden baut er auch gerne noch etwas auf Bestellung. Dann braucht man allerdings viel Geduld. Denn das sorgfältige Bauen, die verschiedenen Trocknungsphasen, das Brennen, Intonieren und Lackieren, das braucht Zeit und Muße, wenn es gelingen soll.

 

Pacchioni liebt den Kontakt zur Okarina-Gemeinschaft. Deshalb ließ er es sich auch 2018 nicht nehmen, seine Instrumente auf dem Okarinafestival (im Podelta) und bei einem Okarinafreundetreffen in Oberkappel anzubieten.  Das waren einmalige Gelegenheiten, wenigstens eine kleine Auswahl seiner Instrumente zu testen und sich dann etwas für die persönlichen Anforderungen Passendes auszusuchen.

 

In der Ocarinacommunity ist es üblich, kostbare Instrumente direkt im Forum anzubieten oder auf Auktionen aufmerksam zu machen. Instrumente von Pacchioni tauchen da aber höchst selten auf.

 

Okarinablog - Giorgio Pacchioni

Wegweiser - Okarinathemen