Huacas von Hans Houkes

18.09.2016

In meinem Bericht vom Mai 2016 stellte ich die Huacas von Hans Houkes bereits kurz vor. Ich erwähne sie noch einmal, weil Hans Houkes auf dem Keramisto in Millsbeek (siehe auch den Bericht über "Spookerinas") ein Instrument dabei hatte, das von der Erfinderin der Huacas, Sharon Rowell, geschaffen wurde.

 

Geschichtliches

Verschiedenen Quellen ist zu entnehmen, dass Sharon diese Form der 3-Kammer-Okarinas 1980 (in Berkeley, Californien) eingeführt hat. 2009 wurde im Okarinanetwork berichtet, dass Sharon Rowell die Herstellung der Huacas einige Jahre zuvor aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Wann genau, ging aus dem Thread nicht hervor.

 

Die Form dieser Mehrkammerokarinas wurde von verschiedenen Okarinabauern aufgegriffen. So z.B. von Janie Rezner, die Sharons Instrumente 1994 kennenlernte und später von Sharon eingeladen wurde, die Herstellung bei ihr zu lernen.

Janie Rezner stellt im nachfolgenden Video die Griffweise ihrer Instrumente vor. Es handelt sich um die einhändig spielbare Variante des English Crossfingering, die auch bei John Langleys Doppelokarinas zu finden ist. Dieses Griffsystem ermöglicht mit nur 4 Löchern eine chromatische Tonleiter mit dem Umfang einer Oktave.

Janie Rezner gab ihre Erfahrungen im Huaca-Bau ebenfalls weiter. Eine ihrer Schülerinnen, Teri Sugg beschäftigt sich inzwischen über 20 Jahre (also seit Anfang der 90 Jahre) mit der "Erkundung der inneren Welt". Vor etwa 15 Jahren verband sie ihre Liebe zum Musizieren mit ihrer Liebe zur Töpferei und begann damit, Okarinas zu bauen. Die Vorstellung ihrer Instrumente im Video "New Huacas" ist von 2009.

In ihrem 2013 gestarteten Etsy-Shop berichtet sie:

Ich lebe in Hawaii, in der Mitte des Pacific, auf der großen Insel, weit weg von namhaften Galerien. Mir gefällt Etsy, weil es mich mit dem Rest der Welt verbindet! ...

In meinen Skulpturen spiele ich mit Themen der Verwandlung, Ebenen der Persönlichkeit und Beziehungen ... Ich betrachte den menschlichen Körper als Gefäß, kein verschlossenes, das abgeschottet ist von seiner Umgebung, sondern offen, wie eine Gefäßflöte, offen für das Leben das uns durchströmt und mit allem, was uns umgibt, in Beziehung steht.

 

Der Bau von Okarinas und Flöten begann mit dem Bau einer Ocarina für Shairy, einem Klang-Heiler aus Ecuador. Das war der Beginn einer großen Leidenschaft.

Janie Rezner, die bei Sharon Rowell lernte, lehrte mich den Bau von Huacas (Ocarinas mit mehreren Kammern) und ich verliebte mich in ihren Klang. Auf ihnen zu spielen, ist sehr meditativ und führt in die eigene Mitte.

Meine Instrumente befinden sich nun in den Sammlungen von Musikern, Klangheilern und anderen Menschen auf der ganzen Welt. Man muss kein Musiker sein, um sie zu spielen und sich daran zu erfreuen.

(zusammenfassende Übersetzung)

Sharon Rowel baute zuerst Okarinas mit ein und zwei Kammern. Alan Tower berichtet, dass Sharon zunächst die Idee verfolgte, Instrumente zu bauen, mit denen sie die Nebelhörner der San Francisco Bay nachahmen konnte. Mit der Zeit entwickelte sie die Instrumente immer weiter. Als sie ihre Instrumente mit einer dritten Kammer erweitert hatte, stellte sie diese nach einer Begegnung mit einem mexikanischen Schamanen als Huaca vor.

 

Hans Houkes erklärte mir:

Ein mexikanischer Schamane gab Sharon Rowell diesen Namen für ihre Instrumente. Er bezeichnete die Huaca (hoewahakaa) als kleinen Tempel mit 3 Zimmern:

Ein Zimmer ist für die Erde, eins für den Himmel und eins für die Geister.

 

Sucht man im Netz nach dem Begriff "Huaca", stößt man auf Beschreibungen Südamerikanischer Pyramiden:

Huaca del Sol ist die Sonnenpyramide oder Tempel der Sonne

https://de.wikipedia.org/wiki/Huaca_del_Sol

Ihr gegenüber steht die Mondpyramide oder Tempel des Mondes, Huaca de la Luna.

https://de.wikipedia.org/wiki/Huaca_de_la_Luna

Eine weitere archäologische Stätte der Moche-Kultur ist Huaca Rajada.

Auf YouTube wird man unter anderem auch mit den Suchworten "Huaca Pucllana" und "Huaca Puruchuco" fündig. Das sind ebenfalls große, aus Ziegelsteinen gebaute Anlagen.

 

Das Suchwort "Huaca Huaca" führt auf YT zu Videos mit szenischen Tänzen.

 

"Huaca" bezeichnet anderen Quellen zufolge wohl auch präkolumbische Gefäße mit drei Beinen. Bei manchen dieser Gefäße waren die Beine zu Pfeifen geformt.

 

Wieder andere Quellen benutzen den Begriff "Huaca" als Bezeichnung für einen Volksstamm. So z.B. "Huaca Prieta", die zu den ersten Bewohnern der Wüstenregion in Nordperu gehören. Dort gibt es eine gleichnamige Ausgrabungsstätte, die das Leben der 3500 - 2300 v.Chr. dort ansässigen Menschen erforscht.

 

In Wikipedia ist zu lesen

Wak'a (Quechua; in kolonialen Dokumenten meist huaca geschrieben) ist in der Kultur der Anden die Bezeichnung für lokale Gottheiten wie auch für den Ort, wo eine solche Gottheit angebetet wird. (https://de.wikipedia.org/wiki/Wak'a)

 

In diesem Video erläutert Alan Tower Besonderheiten der Huacas und seine Spieltechnik (ab 5:10). Huaca, so sagt er, ist ein altes Wort für geheime/geheimnisvolle Dinge (secret things). Die gezeigte Ocarina ist eine Skulptur von Rafael Bejarano.

Der Wandel von der Okarina zur Huaca drückt aus, dass die Instrumente von Sharon Rowel spirituelle Bedeutung erhielten. Der mexikanische Schamane Rafael Bejarano, ein Multiinstrumentalist, spielte Huacas bei Konzerten und Meditationen. Er verwendete wie beim Didgeridoo die Technik der Circularatmung. (im 1. Video ab 8:50 zu sehen) Auf seinen FB-Seiten, die seit seinem Tod Ende 2015 verwaist sind, sieht man einige Fotos von Instrumenten, die er gestaltet hat.

FB1, FB2 Die auf FB verlinkte Webseite wurde gelöscht. In seinem YT-Konto ist nur 1 Video zu finden. Aber es gibt verschiedene andere User, die Videos von seinen Konzerten und Meditationen zeigen.

Ob Sharon Rowel auch Okarinas mit einer oder zwei Kammern Huaca genannt hat, konnte ich bislang nicht herausfinden. Die heutigen Huaca-Bauer machen es. Gesehen habe ich sie auf Webseiten von Janie Rezner, Nash Tavewa und ganz real bei Hans Houkes.

 

Houkes' Huacas

Hans Houkes ließ sich zu seinen Huacas zunächst durch Bilder, Videos und Beschreibungen inspirieren und näherte sich ihrer Form experimentierend. Dabei dabei entstanden Huacas in verschiedenen Größen und Formen, mit unterschiedlich vielen Grifflöchern und verschiedenen Stimmungen. Einige verzierte er mit seinen typischen Ornamenten, die seine Okarinas unverwechselbar machen. Andere schmückte er mit Halbedelsteinen. Die zunächst länglich geformten Kammern wurden allmählich runder und dann begann er, Skulpturen zu formen. Nach einigen Tests legte er für seine Instrumente ein 5-Loch-Griffsystem fest, das im Prinzip dem English Crossfingering in linearer Anordnung entspricht. Durch die Erweiterung von vier auf fünf Löcher haben sie den Tonraum einer chromatisch spielbaren None. Die Doppellöcher für die Kleinen Finger und die Ringfinger sollen das Spielen der untersten chromatischen Stufen erleichtern. Bei einer C-Dur Huaca sind das die Töne cis und dis.

Kürzlich erhielt Hans Houkes eine von Sharon Rowel gebaute Huaca als Leihgabe. Nun hat er die Möglichkeit, seine Arbeit mit einem Originalinstrument zu vergleichen.

In Millsbeek zeigte er mir die erste neue Huaka, die erst  wenige Tage zuvor aus dem Brennofen gekommen war. Sie ist runder, kleiner und dadurch auch leichter als seine ersten Instrumente. Alle seine Huacas klingen wie die Vorbilder weich und sanft. Sie erzeugen wunderbar entspannende Harmonien.

 

Hans Houkes legt viel Wert auf die sogenannte Konzertstimmung. Bei Okarinas bedeutet das, dass die Stimmung nicht dem Zufall überlassen wird, sondern auf den Kammerton a' ausgerichtet ist. Dadurch kann man alle seine Okarinas mit anderen Instrumenten zusammen spielen.

 

Wer Genaueres über die Varianten der Huakas wissen möchte, fährt am besten zu einem der nächsten Märkte, die Houkes mit seinem Camper besucht.

 

Nachtrag vom 29.9.2016

Brandneu im wahrsten Sinne des Wortes! ;-)

Die derzeit neuesten Huacas von Hans Houkes auf facebook:

Diese Instrumente sind ganz anders geformt als seine bisherigen Huacas.

Huaca-Fotoalbum von Hans Houkes:

Links und Quellen

 

https://en.wikipedia.org/wiki/Huaca

 

Sharon Rowel

http://theocarinanetwork.com/topic/6607930/1/

http://www.oddmusic.com/gallery/om19550.html

https://www.flickr.com/photos/jafafahots/4118745906

http://www.alux.com/strangest-music-instruments/7/

 

Rafael Bejarano

FB1, FB2 die dort verlinkte Webseite wurde gelöscht

 

Alan Tower

http://alantower.net/huaca.html

 

Immersion Flute

http://www.theresonancecenter.com/sound-tools/immersion-flute/

 

Janie Rezner

http://www.janierezner.com/ocarina.html

 

Weitere Blog-Berichte

über Okarinas von Hans Houkes

 

30.5.2016  Leuke Fluitjes von Hans Houkes

 

23.9.2016  Leuke-fluitjes: Spookerinas

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