Melodica

Die Bezeichnung "Melodica" geht auf ein von Hohner in den 1950ger Jahren entwickeltes Instrument zurück. Inzwischen hat sich der Begriff als Bezeichnung für eine ganze Instrumentengattung etabliert.

 

Weitere Bezeichnungen für Instrumente mit ähnlichem Bauprinzip sind:

  • Blas-Harmonica
  • Claviola

 

Die amerikanische Webseite melodica.com zeigt Vorformen und Varianten der Melodica.

Geschichte der Melodica

Die geschichtlichen Wurzeln der Melodica sind gemeinsam mit denen von Mundharmonika und Akkordeon in Asien zu finden, wo schon vor etwa 4500 Jahren Instrumente mit "durchschlagenden Zungen" gebaut wurden.

 

Der Klang von Durchschlagszungen begleitete Jahrtausende hindurch Menschen unterschiedlichster sozialer Ränge. Zur Musik der Könige und Kaiser gehörte er genauso, wie zu den Liedern der Pilger und Vagabunden und den Beschwörungen der Schamanen.

 

Auf der englischsprachigen Webseite patmissin.com wurden zahlreiche Informationen zu Instrumenten mit freischwingenden Zungen zusammengetragen. Unter anderem werden dort auch geblasene Tasten-Instrumente beschrieben, die man als Vorläufer der Melodica ansehen kann. Das Psallmelodicon (x) gehört dazu und auch ein Blasakkordeon, das Aeoline mit Klappen (x) genannt wurde.

 

Das erste ZUNGENSCHLAG-Festival Deutschlands präsentierte im September 1999 die interessante Vielfalt der Durchschlagzungen-Instrumente in Trossingen, dem Sitz der Firma Hohner.

 

Die harmonischen, melodischen und rhythmischen Möglichkeiten dieser Instrumente sind größer, als viele denken. Aus der Ankündigung des ersten deutschen Durchschlagzungen-Festivals im September 1999 läßt sich herauslesen, daß Harmonika-Instrumente in der europäischen Musiklandschaft völlig unterschätzt werden und ein mit Klischees und Vorurteilen behaftetes Schattendasein führen. Das Programm des Festivals zeigte, wie diese Instrumente eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart, Tradition und Moderne schlagen.

Klang und Klangerzeugung in der Melodica

Der typische Klang einer Melodica rührt von den Stimmzungen her, die auf einer Stimmplatte angeordnet sind. Diese durchschlagenden Metallzungen werden wie in Mundharmonika und Akkordeon durch vorbeiströmende Luft in Schwingung versetzt. Dabei entsteht ein Ton, der durch Manipulationen an der Stimmzunge verändert werden kann.

 

Dieses Prinzip der Klangerzeugung, die freischwingende Zunge, finden wir außer bei Akkordeon und Mundharmonika auch in Bandonéon, Organetto, Harmonium, Sêng, Sho, Khen, Shruttibox und sogar der Maultrommel. Letztere ist allerdings ein Zupfidiophon.

 

Die Melodica gehört somit zur Familie der Durchschlagzungen-Instrumente und darin wiederum zur Gruppe der Harmonikainstrumente.

 

Die Klangfarben der verschiedenen Durchschlagszungen-Instrumente variieren abhängig vom Material der Zungen, der Bauform der Instrumente sowie deren technischer Ausführung. Sie reichen vom weichen Summen und filigraner, silbriger Feinheit bis hin zu fast schmerzender, kreischender Schärfe.

 

Der Klang der Zungeninstrumente ist vor allem bei mit dem Mund gspielten Profi-Instrumenten variabel und ausdrucksvoll.

 

Melodica - ein Instrument für viele Gelegenheiten

Eine Melodica läßt sich leicht in die Tasche stecken und z.B. mit in die Schule oder zu einer Party mitnehmen. 

 

Der weiche, melodiöse Klang einer sauber gestimmten Melodica paßt mit vielen Instrumenten zusammen. Er erzeugt z.B. in der Folk-Musik eine ganz besondere Stimmung, animiert zum Mitsingen und einen Gitarrenspieler dazu, begleitend in die Saiten zu greifen. Eine Melodica kann auch "bluesig" oder "jazzig" klingen.

 

- Big Panther von toonmunger

- Hendrix-Thema mit happyslappysoong

- summertime mit ukulele und melodica (zwei Jungs, die es echt drauf haben! ;-) )

 

 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit anderen Harmonikainstrumenten

In allen Harmonikainstrumenten wird der Ton mit Hilfe von den bereits erwähnten Stimmzungen erzeugt. Das ist die wichtigste Gemeinsamkeit.

 

Wie ein Akkordeon besitzt auch die Piano-Melodica eine Tastatur, mit deren Hilfe der Luftstrom zu den Stimmzungen geregelt wird.  Während jedoch im Akkordeon die Luft mittels Blasebalg durch die Ventile zu den Zungen gedrückt wird, wird sie in der Melodica mit dem Mund hinein geblasen.

 

Auch Mundharmonikas werden mit dem Mund angeblasen. Im Gegensatz zur Melodica wird jedoch ein Teil der Töne durch Ansaugen gespielt. Zu jeder Stimmzunge führt ein separater Windkanal, auf dessen Öffnung man den Mund direkt aufsetzt. Ein ebenfalls markanter Unterschied zu den Melodicainstrumenten.

 

Bauformen der Melodica

Das von der Firma Honer in den 50ger Jahren entwickelte Instrument wird in verschiedenen Formen und mit unterschiedlichem Tonumfang gebaut.

 

Die Clarina

ist ein mit 8 Tasten ausgestattetes Anfängerinstrument. Bilder von Kindern die auf diesem Instrument musizieren, erwecken den Eindruck, es sei ein mit beiden Händen bespielbares Instrument. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Die Mechanik der Tasten ist einseitig ausgerichtet. Die linke Hand muß die Tasten komplett übergreifen, um den optimalen Druckpunkt zu erreichen.

 

Melodica Soprano / Alto

Die chromatische Tonleiter dieser Instrumente reicht über 2 Octaven. Der Tonraum der Soprano entspricht der Sopran-Blockflöte und der der Alto der Alt-Blockflöte.

Beide Instrumente sind mit rechteckigen Knopftasten ausgestattet, die einer Klaviertastatur entsprechend angeordnet sind. Der Kippmechanichmus der Tasten ist nach außen gerichtet. Beidhändiges Spiel mit symmetrischer Belastung der Hände ist nicht möglich, wenn überwiegend im diatonischen Tonraum (weiße Tasten) mit nur wenigen chromatischen Zwischentufen (schwarze Tasten) gespielt wird. Für große Hände ist das aber kein Problem. Lange Finger können von beiden Seiten her über das Instrument greifen und die Knopftasten in beliebiger Folge drücken. Das Ausbalancieren des Instrumentes auf den Daumen erfordert etwas Übung. Wenn man es mal heraus hat, funktioniert es aber ganz gut, wie man sieht.

- Benjamin Roome verschiedene Melodie-Ausschnitte

- Tetris-Thema gespielt von theburlapsack

 

Kleine Hände greifen die weißen Tasten dagegen bevorzugt mit der rechten und die schwarzen Tasten mit der linken Hand.

Die sich aus der "flötenartigen" Haltung der Melodica ergebende  Spieltechnik fixiert die Hände anfangs stark am Instrument und erschwert dadurch die Ausnutzung des kompletten Tonraumes. Doch mit "etwas" Übung kommt dann so etwas dabei heraus:

- EXODUS mit GUGUG

- Guns of Navarone mit GUGUG

- Duck you ... mit GUGUG

 

An Klaviertastatur gewöhnte Hände können die Melodica auch ganz anders spielen. Eine Hand hält das Instrument fest, damit sich die andere Hand frei auf den Tasten bewegen kann.

- Tetris-Thema gespielt von hunggystar

 

 

Piano-Melodicas

Die Handhabung der mit Klaviatur ausgestatteten Melodicas unterscheidet sich von den vorgenannten Instrumenten erheblich. Die linke Hand hält das Instrument sicher mit einem auf der Rückseite angebrachten Griff, so daß sich die rechte Hand ganz frei und leicht über die Tastatur bewegen kann. Das ermöglicht wesentlich virtuosere Spieltechniken und verhalf der Melodica zum Durchbruch in der Musik-Szene. Piano-Melodicas der Profi-Klasse konnten sich als eigenständiges Solo- und Ensembleinstrument durchsetzen.

 

Der Tonumfang der Piano-Melodicas ist unterschiedlich. Er reicht bei den Hohner-Instrumenten von 26 bis 36 Tasten. Mit Ausnahme der "Piano 26" beginnen alle Instrumente mit f.

 

Jubiläumskatalog -  Hohner-Melodica 2009

 

Melodica-Instrumente werden inzwischen auch von anderen Herstellern angeboten.

- Aus Klingenthal stammt das Kinderinstrument Triola / Triola-Liederheft.

- Modelle aus China werden auch als "mouth-organ" oder "blow-organ" angeboten. Mit diesen Bezeichnungen -  deutsch "Mundorgel" / "Blasorgel"  können aber auch andere Instrumente gemeint sein. So zum Beispiel die klassische chinesische Mundorgel Sheng, die auch so >klick< aussehen kann, oder die Khene aus Laos.

 

Lehrhefte / Schulen

Die Internetsuche führt zu Notensammlungen, die hauptsächlich kleine Spielstücke enthalten. Es gibt speziell auf das Instrument abgestimmte Schulen und Spielhefte. Da der Tonraum der kleinen Melodica-Instrumente dem der Blockflöte entspricht, wird das Instrument auch in der Besetzung für Melodiesammlungen genannt, die für Melodie-Instrumente mit 1-2 octavigem Tonraum gedacht sind.

Der methodische Einstieg in den Tonraum der Melodica unterscheidet sich allerdings grundlegegend von der Tonraumerschließung der Blockflöte. Daher sind Blockflötenschulen für Melodica-Anfänger nicht geeignet.

Meine Schüler finden die Hinweise auf die benötigte Unterrichtsliteratur hier:  >klick<

 

Konzertliteratur für Melodica sah ich bislang noch nicht. Es ist der Fantasie des Melodica-Spielers überlassen, klassische Stücke für die Melodica zu adaptieren.

 

- HAGE

- notenbuch.de

- Notenversand Allegro

- schott

 

Melodica-Unterricht

Melodica-Unterricht wird in manchen Instituten im Vorschulalter angeboten. Meinen Schülern empfehle ich den Einstieg mit etwa 6 Jahren. > Informationen zum Melodica-Unterricht.