Mini und Micro Okarinas

 

Weiß jemand wo ... ?

Im Sommer tauschten wir uns im Okarinaforum über die kleinsten bekannten Okarinas aus. Es ging nicht um Schmuck, sondern um Miniaturinstrumente, auf denen sich Melodien spielen lassen. Die Langley Micro Okarina und das Karinchen waren die einzigen uns bekannten Miniatur-Okarinas, die von ihren Herstellern in online shops verkauft wurden. Aber wie es im Leben so ist: die Dinge ändern sich.

Die Micro Okarina von John Langley ist inzwischen eine Rarität, die aktuell in keinem Shop zu finden ist. Gemeinsame Suchanstrengungen verliefen jedenfalls im Sande.

Das Mini Karinchen ist noch erhältlich. Wie lange? Das ist ungewiss, da Hans Rotter das Okarinamusikhaus geschlossen hat.

 

Neue Winzlinge

Als Kevin Wright, ein junger Okarinabauer aus den USA, von Annikas Suche nach Langleys blauer Micro-Ocarina erfuhr, baute er ihr kurzerhand eine neue winzige blaue 4-Loch Okarina. Im Forum konnten wir seine Arbeitsschritte auf Fotos verfolgen. Es war seine erste Micro-Okarina, ein Experiment.

 

Vielen Dank @Kevin und Annika für die Fotos!

Foto 1-7, 10 (c) Kevin Wright  Foto 8-9 (c) Annika

Noch bevor die kleine Okarina in Deutschland eintraf, lagen zwei weitere Winzlinge im Brennofen. Jetzt durfte ich mich auf Post aus Amerika freuen!

 

Es dauerte gut eine Woche. Dann lag das gepolsterte Couvert im Briefkasten.

Als Dankeschön bastelte ich eine Collage für das Forum und für seinen Marktstand entwarf ich einige Flyer mit traditionellen Liedern für Travers- und Pendant Okarinas.  "Okarinawichteln" :-)

Was da aus dem dick gepolsterten Brief heraus kam, war unfassbar!

So etwas Winziges! Die kleinere von den zweien konnte ich kaum zwischen die Finger nehmen. Meine Fingernägel waren zu lang! LOL   Ich rätselte. Wie soll man darauf spielen? :-)

 

Ich nahm erst einmal die größere der beiden.

Aber ohne Nägel schneiden funktionierte die auch nicht!

Die Nägel der gegenüber liegenden Finger verhakten sich!

:-)))))

 

Nach der Maniküre konnte es dann losgehen. Das kleine Ding ist kaum größer als ein 5-Cent-Stück und lässt sich wirklich spielen! Mit English Crossingering! Ich schaffte es nach einigem Üben bis zur 6. Stufe.

Mein erster Versuch bis zur 5. Stufe:

https://soundcloud.com/lisa-231/mausemusik-2017-10-07-ultramicro-kw-ist-ein-mann-in-brunn-gefallenwav

 

Nachtrag 9.10.2017

Als ich heute meinen Schülern die Winzlinge aus Amerika vorstellte, probierte ich aus, ob ich nicht doch vielleicht bis zur Oktave komme. Und tatsächlich! Es funktionierte! :-)

Der Tonraum: F7 ---  > --- F8

Wahnsinn!

Die zwei letzten Töne sind ganz fein und leise. Ich habe noch nicht probiert, sie aufzunehmen. Aber sobald es gelingt, melde ich mich wieder. :-)

 

Nachtrag 10.10.2017

Es hat geklappt!

Manchmal rutsche ich mit der Oberlippe oder einem Finger etwas zu nah an das "Fenster". Dann klingt der Ton nicht so gut. Das liegt aber an mir und nicht an der Okarina. Hier zwei Testaufnahmen als Beleg.

- Tonleiter von 1 bis 8

- Goddesses

Vergleiche

Bislang war das Karinchen meine kleinste spielbare Okarina. Doch nun hat Kevin die Nase vorn.

Hier sieht man die Minis meiner Sammlung alle zusammen.

Kevin Wrights Okarina ist die kleinste und reicht am höchsten hinauf:

Tonraum:   F7 ... > ... D8 (... ganz leise E8, F8 )


Das Mini-Karinchen von Rotter klingt mit deutlich größerem Volumen kräftiger.

Tonraum:  C7 ... > ... A7

 

John Langleys Micro-Pendant hat wie alle anderen Instrumente dieser Sammlung 4 Löcher. Sie reicht allerdings mit vollem Klang bis zur Oktave.

Tonraum:  G6 ... > ... G7

 Im Video spielt Langley eine 5-Loch Micro, die bis zur None A7 geht.

 

Das Mini-Entchen, ebenfalls von Rotter, hat den

Tonraum:   C6 ... > ... A6

 

Faszinierend, wie weit man die Miniaturisierung von Instrumenten treiben kann!
Übrigens: Jedes dieser Winzlinge ist chromatisch spielbar. Das Greifen der halb gedeckten Töne muss ich aber noch gut üben, bis das sicher klappt. Ich glaube, mir reicht die diatonische Tonleiter.  :-D

 

 

Rückblicke

Hier ein paar Videos, in denen die Okarinabauer ihre kleinsten Instrumente vorstellen. Wann genau die Instrumente entwickelt wurden oder wann sie auf den Markt kamen, konnte ich bislang nicht herausfinden.

 

2009

Die von John Langley vorgestellte Micro Pendant Ocarina hat ein Daumenloch und dadurch den Tonumfang einer None! Meine Micro hat kein Daumenloch und daher "nur" den Tonumfang einer Oktave. 

 

Als Langley sein Video 2009 veröffentlichte, war seine Micro vermutlich weltweit die kleinste bekannte voll funktionsfähige Okarina und der Tonraum mit einer chromatisch spielbaren None erstaunlich groß.

 

 

2010

Die aus Holz geschnitzte (!) Okarina, die Börs Anders Öhmann 2010 vorstellte, ist ein klein wenig länger, um zwei Subholes greifen zu können, die die Tonleiter nach unten verlängern. Damit hat sie unter den Miniaturokarinas den größten Tonraum.

 

2014

Karin Rotter brach den von Langley aufgestellten Rekord, indem sie ihr Mini-Karinchen entwickelte. Damit konnte sie die Größe der Micro Pendant unterbieten, der Tonraum überspannt allerdings lediglich eine Sexte und ist somit drei Stufen kürzer als der von Langleys 5-Loch-Micro. Beide Instrumente, also die 5-Loch G-Micro und das Mini-Karinchen in C, enden auf dem A. Beim höchsten Ton ist die Sache also unentschieden. (Kleine Tonhöhenänderungen verursacht durch Erwärmung oder Kondenswasseransammlung nicht berücksichtigt.)

 

Es ist beeindruckend, wie Karin Rotter in dem 2015 veröffentlichten Video auf ihrem Winzling spielt. Der Raumhall verstärkt den Klang zwar etwas, aber ich kann bestätigen, dass er sehr durchsetzungsfähig ist!

Meinen Bericht über das Mini-Karinchen schrieb ich im Dezember 2014, bei Thomann war es ab Nov 2014 lieferbar.

 

Neue Rekorde

Und nun, 2017 stellt Kevin Wright, ein junger Okarinabauer aus den USA, einen neuen Rekord auf. Sein Winzling erreicht die Grenze der hörbaren Töne.

Wer ist Kevin Wright?

Im Mai 2017 präsentiert er in FB stolz seine erste Keramik-Arbeit, eine Okarina. Er ist Blechbläser (Tuba), spielt und sammelt aber auch schon seit Jahren Okarinas. Unter anderem besitzt er einen Großbass von Clayzness, gebaut von Richard Schmidt (+  ).

Beim Modellieren experimentiert er mit alten Okarinaformen und Stimmsystemen. Die dabei gesammelten Erfahrungen helfen ihm, eigene Okarina-Designs und das Tuning nach und nach immer weiter zu verbessern. Unter anderem ist er mit dem Englischen Pendant System vertraut. Eine gute Voraussetzung, eine Super Micro Pendant auszutüfteln.

Diese Herausforderung gefällt auch Hans Houkes. Er baut in atemberaubender Geschwindigkeit gleich ein ganzes Set der Minis. Für die Rohform seiner ersten Micro brauchte er gerade mal 15 Minuten, schrieb er. Aber bis sie ganz fertig ist, muss noch Zeit investiert werden für das Finish, dann Brennen und hoffen ...

 

Ob seine MicroOcs am Ende kleiner sind, als die von Kevin?

 

Vielen Dank für die Fotos (c) Hans Houkes!

Zumindest geht ihre Tonleiter bereits jetzt schon einen Tick höher als die des größeren der beiden Winzlinge von Kevin. Wahnsinn!

Die höchsten Töne kann ich so gerade eben noch hören!

 

https://www.facebook.com/hans.houkes/videos/1802905716390399/

 

Die runden MicroOcs werden mit dem Stimmsystem der Stonewhistle-Okarinas gespielt. Die längliche, spitze Okarina ist pentatonisch gestimmt.

 

Und wer schafft es am Ende ins Guinessbuch der Rekorde?

Ich bin sehr gespannt!