7-Loch Ocarina von Árpád Takács

23. Mai 2016

Auch dieses Jahr war wieder eine Händlerin von Árpád Takács auf dem Töpfermarkt in Frechen zu finden. Aus der farbenfrohen Auswahl wählte ich eine 7-Loch-Okarina, deren Griffsystem mir von Hans Rotters Instrumenten mit 7 Löchern bereits seit längerem vertraut ist. Nun war ich neugierig auf einen Vergleich.

Das hübsche rote Ei lässt sich für mich sehr bequem greifen, deutlich besser, als die birnenförmigen und linsenförmigen Modelle des Ungarn. Das liegt an der linearen Anordnung der Grifflöcher.

Da die Grifflöcher auf der Okarina im hohen Maße frei positioniert und damit den Händen des Spielers angepasst werden können, ist es nicht notwendig, sich mit einer unbequemen Positionierung von Grifflöchern abzuquälen. Besser, man sucht nach einem Modell, das einem passt. Schön, dass es da Auswahl gibt. :-)

7-Loch Ocarina von Árpád Takács

Die erste Bedingung für den Kauf war also erfüllt. Die zweite war, wie gut ist das Instrument gestimmt?

Auf die Frage nach der Stimmung hieß es "F-Dur". Das gefiel mir. Die Instrumente von Rotter sind in C und G gestimmt. Da ist F-Dur eine gute Ergänzung.

Für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten muss die Okarina möglichst exakt gestimmt sein. Das zu überprüfen ist bei Okarinas so eine Sache, weil beim Spielen Änderungen des Blasdrucks die Intonation des Instruments verändern. Außerdem wirkt sich die Temperatur der Okarinas auf die Höhe des Grundtones aus. Mit etwas Übung erkennt man aber, in welcher Stimmung die Okarina am besten klingt und zu spielen ist.

 

Beim Vergleich der verschiedenen 7-Loch-Okarinas, die die Händlerin des ungarischen Herstellers mitgebracht hatte, konnte ich hören, dass die Instrumente trotz äußerlich übereinstimmender Größe in der Stimmung ein wenig variierten. Also aktivierte ich meine Stimm-App auf dem Handy, um die Stimmung der Okarina besser beurteilen zu können. In einer unruhigen Umgebung ist das gar nicht so einfach ohne Tonabnehmer. Aber es klappte.

Da mir die rote Farbe besonders gut gefiel und sich die Tonleiter bis zum obersten Ton gut intonieren ließ, nahm ich dann ein Instrument mit nach Hause, dessen Grundton nach oben tendierte. Das F5 war ganz klar spielbar. Ich kam auch darunter. Da war die Okarina allerdings kalt. Je mehr sie durch das Spielen angewärmt wird, um so zarter musste der Blasdruck sein, um das F5 noch zu erreichen. Dann klingt meine Okarina sehr dünn und hauchig. Bei normalem Blasdruck steigt die Intonation meiner Okarina bis Fis5.

Man muss also berücksichtigen, dass die Temperatur einen deutlich wahrnehmbaren Einfluss auf die Stimmung der Okarina hat. Wenn sie kalt ist, klingt sie tiefer. Wenn sie warm ist, klingt sie heller.

 

Sucht man eine Okarina in einer bestimmten Stimmung, darf man nicht nur den Grundton testen. Das Ausmessen der obersten Töne ist ebenfalls sehr wichtig. Denn der Intonationsspielraum ist in der unteren Lage größer als oben. Deshalb können nicht alle Töne, die in der unteren Lage durch Erhöhung des Blasdrucks spielbar sind, als Grundton dienen. Der am oberen Ende der Skala kleinere Intonationsspielraum bestimmt also, in welcher Tonart die Okarina spielbar ist.

 

Die Grenzen des Intonationsspielraums erkennen

Große Okarinas haben einen ganz anderen Intonationsspielraum als kleine.

Zunächst bläst man das Instrument mit mitlerem Blasdruck an und kontrolliert dabei den Klang.

- Ist der Ton klar zu hören, befindet man sich mit dem Blasdruck im optimalen Bereich.

- Klingt der Ton "kippelig", jammernd und schwach ist der Blasdruck zu gering. Dann steigert man den Blasdruck langsam und hört, ob sich der Ton stabilisiert.

- Wenn die obere Grenze des möglichen Intonationspielraums erreicht ist, klingt eine Okarina stumpf und gepresst. Zuerst wird der Ton durch die Steigerung des Blasdrucks heller und lauter. Irgendwann bleibt der Ton entweder "stecken" oder kippt in ein schrilles Pfeifen um.

 

Bei der Wahl der Okarina kommt es also darauf an, heraus zu finden, ob sich die Okarina sowohl am unteren als auch am oberen Ende der Skala korrekt intonieren lässt und einen ausgewogenen Klang hat. Dass der Blasdruck dabei von unten nach oben kontinuierlich angehoben werden muss, ist völlig normal.

 

Okarina nachstimmen

Eine Okarina mit Grundton Fis ist etwas exotisch. Aber sie lässt sich bei Bedarf tiefer stimmen. Hierzu nutze ich das Stimmloch. Wenn man es verschließt, sinkt die Grundstimmung der Okarina. Bei meinem Instrument macht das einen Halbton aus! Und schon wird aus meiner Fis5 Okarina eine F5 Okarina, die sich mit einem kräftigen klaren Klang spielen lässt.

Hier die Unterseite der Okarina mit 3 Öffnungen.

Die oberste Öffnung ist das "Fenster" an dessen Labium der Ton entsteht.

 

Die Öffnung auf halber Höhe ist das Daumenloch.

 

Die Öffnung unten über der Kordel ist das Stimmloch.

Flexibilität der Intonation - Beobachtungen an meiner Okarina
Die Grundstimmung lässt sich bei meiner Takács 7-Loch-Okarina enorm ziehen. Bei meiner bekam ich bei einer Raumtemperatur von 23°C als tiefsten Ton ein E5 und als höchsten Ton ein A5 (Quarte) (Referenz: A4=440Hz). Wenn die Okarina kälter oder wärmer ist, kann das Ergebnis etwas anders sein. Laut Hersteller ist der Grundton F5. Um diese Lage zu treffen, muss ich bei meiner Okarina die tiefsten Töne ganz sachte anspielen. Im hohen Bereich muss ich den Blasdruck steigern, damit die Intonation nicht zu tief hängt. Im Zusammenspiel mit dem Clavinova klingt meineTakács Okarina am besten, wenn ich sie beim Spielen so intoniere, dass Fis5 als Grundton klingt.

korrigierte Grifftabelle für die 7-Loch-Okarina von Árpád Takács
korrigierte Grifftabelle für die 7-Loch-Okarina von Árpád Takács

Vergleich meiner verschiedenen 7-Loch-Okarinas

Die 7-Loch Okarinas von Takács und Rotter werden mit demselben Griffsystem gespielt.

 

Der Intonationsspielraum des Grundtons ist bei beiden Instrumenten eine Quarte. Nach oben wird der Intonationsspielraum kleiner. Beim obersten Ton beträgt er bei Rotters Piccolo  4 Halbtöne. Bei meiner Okarina von Takács sind es nur knapp 3 Halbtöne. Ein Vergleich mit Rotters Muschel-Okarina in Sopran-Lage steht noch aus. Sie ist mit Grundton G5 näher an meiner Takács-Ocarina als die Piccolo mit Grundton C6.


Der Grundton Fis meiner Takács-Okarina ist eine tolerable Abweichung, solange man das Instrument als Soloinstrument benutzt. Die nach oben abweichende Stimmung lässt sich mit Hilfe des Stimmlochs nach unten korrigieren.

 

Rotters 7-Loch-Muscheln haben ebenfalls ein Stimmloch, mit dem die Stimmung bei Bedarf nach unten korrigiert werden kann.

Rotter-Okarinas haben eine so konstante Produktion, dass die Instrumente im Musikalienhandel zu finden sind. Alle von mir getesteten Instrumente sind auf demselben Referenzton (A4 = 440Hz) gestimmt. Daher sind sie gut für das Ensemble-Spiel geeignet. Rotter stellt 7-Loch-Ocarinas in verschiedenen Formen, Größen und Stimmlagen her. Die Muschel-Okarinas baut Rotter als Instrumentenfamilie von Piccolo bis Kontrabass. Dadurch ist mit diesen Instrumenten mehrstimmiges Spiel möglich.

 

Eine 7-Loch-Okarina-Familie stellt Takács anscheinend nicht her. Die birnen- und linsenförmigen Instrumente haben 8 Grifflöcher. In der Stimmung zueinander passende 7-Loch-Instrumente sucht man sich in ruhiger Umgebung am besten mit Hilfe eines Stimmgerätes aus.

 

Liste der Blogeinträge über Okarinas von Árpád Takács

2016/05/23/  7-Loch-Ocarina von Árpád Takács

2015/05/10/  Okarinas von Àrpàd Takàks

 

 

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