Okarina-Stimmlagen - Bezeichnungssysteme

Die Bezeichnungen der Okarina-Stimmlagen sorgen häufig für Verwirrung, weil

  1. bei den Okarinabauern keine Einigkeit herrscht;
  2. die Bezeichnung der Septett-Stimmen in Form einer Kombination aus Buchstabe und Zahl gerne verwechselt wird mit Notenname+Oktavlagenzahl

 

Betrachen wir als erstes die Bezeichnungssysteme des in der westlichen Musik üblichen Tonsystems. In Wikipedia gibt es eine hilfreiche Liste: https://de.wikipedia.org/wiki/Tonsymbol in der sich auch die Bezeichnung wiederfindet, die heutzutage auf digitalen Stimmgeräten üblich ist: Ein großer Buchstabe zeigt den Namen der Note an und eine dahinter gestellte Zahl  die Oktavlage. An einer Klaviatur lässt sich gut ablesen, dass sich unsere Musik in etwa 7 1/2 Oktaven bewegt. > Klaviatur (V1) Klaviatur (2). Die Oktaven werden von links nach rechts = von unten nach oben durchgezählt. Das tiefste C ist das C1. Dann folgen die Töne D1 E1 F1 G1 A1 H1 und mit dem nächsten C startet die 2. Oktave: C2 D2 ..... So zählt man hinauf bis zum C8.

Um die Tonhöhen der verschiedenen Okarinas korrekt bestimmen zu können, muss man wissen, dass die Zählweise der Stimmen im Okarinaseptett (= von oben nach unten) der Zählweise der Oktaven (= von unten nach oben) entgegen läuft. In der 4. Oktave treffen Chorstimmenbezeichnung und Grundtonbezeichnung zusammen. Denn die Okarinas F4 und G4, haben als Grundton F4 und G4. Die Stimmen darüber, also die Okarinas C3 und B3 haben die Grundtöne B4 und C5. Wenn man das so ließt, ist das vermutlich etwas verwirrend. Deshalb habe ich eine Tabelle gemacht in der man das ablesen kann.

 

(1)
italienisches
Septett
(2)
Stimmlagen
Okarina

(3)

TiAmo

Japan

(4)
Stimmlagen
Okarina

(5)
Grundton

 

(6)

Gosselink

 

(7)

Blockflöte

 

(8)

Meissen

 

1 do C1 C1 SC C6 / c''' Piccolo Do Garklein  
  B1     B5 / b''      

2 sol

G2 G2 SG G5 / g'' Sopranino Sol   3  G

 

F2 F3 SF F5 / f'' Sopranino Fa Sopranino  
        D5 / d''     5  D
3 do C3 C4 AC C5 / c'' Soprano Do Sopran 6  C
  B3     B4 / b'      
        A4 / a'     8  A
4 sol G4   AG G4 / g'  Alto Sol    
  F4   AF F4 / f'   Alt  
5 do C5   BC C4 / c' Tenor Do

Tenor

 
  B5     B3 / b      
6 sol G6   BG G3 / g  Basse Sol    
  F6   BF F3 / f   Bass  
7 do C7   BBC C3 / c  Basse Do Großbass  

In dieser  Tabelle werden mehrere Okarina-Bezeichnungssysteme gegenübergestellt, die von verschiedenen Okarinabauern genutzt werden und in diversen Produktbeschreibungen zu finden sind.

 

Spalte 1

- italienisches Okarina-Septett - Ocarina di Budrio
  Erfinder :Guiseppe Donati; aktuell gebaut von Fabio Menaglio

Der Erfinder der italienischen Travers-Okarina Guiseppe Donati nummerierte die Stimmen für sein Septett analog zur Bezeichnung von Chorstimmen von oben nach unten durch.

1 do  auch do 1 = 1. Stimme mit Grundton Do

2 sol  auch sol 2 = 2. Stimme mit Grundton Sol

usw.

Spalte 2

 - ocarinamusic, Johann Rotter, Österreich und Giorgio Pacchioni, Italien

Zum klassischen italienischen Septett gehören Instrumente in C (do) und G (sol).  (siehe Spalte 1)

Hans Rotter und Giorgio Pacchioni nutzen eine Übersetzung der italienischen Bezeichnungen: Do = C; Sol = G. Das ergibt die Kennungen C1, G2, C3, G4, C5, G6, C7. Als weitere Stimmlagen ergänzt wurden, "schummelte" man diese zwischen die bestehenden Stimmangaben. So entstanden die Bezeichnungen B1 As1 - F2 Es2 - B3 As3 - F4 Es4 - B5 etc.

 

Spalte 3 - Ti amo, Japan (Masakazu Yoshida)

Die in Japan ansässige Firma nutzt die Buchstaben-Zahlen-Kombination für die Stimmbezeichnungen etwas anders als die Italiener.

 

In meiner Sammlung befinden sich Instrumente, die mit 1C und F3 markiert sind. Im Internet fand ich die Bezeichnungen G2 und C4 bestätigt.

Viele Instrumente sind nur mit dem Grundton markiert.

Spalte 4 - Focalink/Stein, Taiwan (Zack Zhih)

Die in Taiwan ansässige Firma bevorzugt statt der Zahlen die Stimmbezeichnungen Sopran, Alt, Bass, Großbass

 

Die auf Okarinas von Focalink/Stein (Taiwan) zu findenden Abkürzungen bedeuten also:

S = Sopran
A = Alt
B = Bass
BB = Großbass / Kontrabass


SC bedeutet Sopran in C,

SG bedeutet Sopran in G usw.

 

Spalte 8 - Meißen / Fiehn
Neben dem italienischen und japanischen Okarina-Zähl-System gibt es weitere, die ebenfalls von oben nach unten zählen, deren Zahlen aber eine engere Folge der Grundtöne widerspiegeln. Es ist anzunehmen, dass diese Zahlen vorrangig dazu dienten, die Instrumente in den Waren- und
Händlerkatalogen zu identifizieren. Man findet auf solche Zählsysteme bezogene Zahlen z.B. bei Meissen- und Fiehn-Okarinas. Auch hier ist eine Übereinstimmung der Katalogzahl mit der Oktavlagenzahl reiner Zufall. So hat zwar eine Meissen 5D den Grundton D5=d'', aber bei
allen höheren und tieferen Instrumenten passt es dann wieder nicht.

 

Spalte 6 und 7

Olivier Gosselink hält sich an die für Blockflöten üblichen Stimmbezeichnungen. Das sollte man wissen, wenn man auf seiner Webseite nach Okarinas schaut. Wer mit den Bezeichnungen von Stein-Okarinas vertraut ist hat sonst eine völlig falsche Vorstellung von den Stimmlagen der Gosselink-Instrumente.

 

Stimmlagenbezeichnung Ocarina versus Blockflöte
Für deutsche Blockflötenspieler sind Gosselinks Stimmlagenbezeichnungen sofort verständlich. Die bei Fokalink/Stein zu beobachtende Verwendung der Bezeichnungen Sopran, Alt und Bass bei Okarina-Stimmlagen ist dagegen für Blockflötenspieler  gewöhnungsbedürftig. Denn der Grundton der AC ist der
Grundton der Sopran-Blockflöte (C5). Mit der AF passt es. Sie hat denselben Grundton, wie die Alt-Blockflöte (F4). Die BC-Ocarina hat dagegen den Grundton der Tenor-Blockflöte (C4).

 

Resumé
Die Vergleiche zeigen, dass Zählsysteme und die Bezeichnungen von Stimmlagen auf unterschiedliche Weise voneinander abweichen und es dadurch leicht zu Missverständnissen kommen kann. Deshalb ist es wichtig, zu klären (am besten mit Tabellen oder Grafiken), welches Zähl- oder Bezeichnungssystem gemeint ist, wenn man sich über Stimmlagen und Tonumfang verschiedener Instrumente austauscht.
Für Multi-Instrumentalisten sind die Stimmlagen am klarsten an der Nennung des Grundtones zu erkennen. Diese Bezugsgröße ist neutral und auf alle Instrumente gleichermaßen anwendbar.