Ein Rauchbrand-Trio von Ton und Töne

Inzwischen sind es über 2 Jahre her, dass ich vom Töpfermarkt Siegburg meine erste Rauchbrand-Okarina von Martin Lietsch und Mara Ziegel mitbrachte. Sie wurde im Musikunterricht zu einer schönen klanglichen Bereicherung. Deshalb habe ich sie letztes Jahr mit zwei weiteren Okarinas zu einem Trio ergänzt.

 

Diese schönen Rauchbrand-Okarinas sind Einzelstücke. Es werden aber immer wieder ähnliche gebaut. Wer sich dafür interessiert, kann sich mit der Werkstatt in Verbindung setzen.

 

Link zur Werkstatt "Ton und Töne" > klick<

 

Tonraum und Grifftabelle
In der Keramik-Instrumenten-Werkstatt "Ton und Töne" werden die meisten Okarinas mit 6 oder 6+1 Löchern gebaut. "6+1" bedeutet, dass sie mit 6 Fingern gespielt werden und eines der 6 Löcher als sogenanntes "Splithole" (=Teilungsloch) ausgeführt ist.

 

Zur Feinstimmung des Grundtones wird bei einem Teil der handgeformten Instrumente ein Stimmloch benötigt. Bei meinen kleinen Okarinas, der SF und der AC sind sie so positioniert,
dass sie als "Subhole" genutzt werden können und man damit den Halbton unter dem Grundton erreicht.

 

 

Die Symbole der Grifftabelle sind folgendermaßen zu
verstehen:

 

Okarina-Stimmlagen
Mein Trio besteht aus drei Instrumenten in den gängigen Stimmlagen SF, AC und AF. Der Tonraum dieser Instrumente entspricht der jeweils unteren Oktave der Blockflöten-Stimmlagen Sopranino (Grundton F5), Sopran (Grundton C5) und Alt (Grundton F4). Die verbreitete Kombination von C- und F-Blockflöten war für mich das Vorbild für die
Zusammenstellung dieses Okarinatrios. Es gibt auch noch größere Instrumente in Tenor-Lage.
Mara Ziegel und Martin Lietsch benutzen ein Bezeichnungssystem für die Stimmlagen, das sich an den Stimmlagenbezeichnungen für Blockflöten orientiert. Der besseren Vergleichbarkeit wegen habe ich eine Tabelle erstellt, in der ich drei Bezeichnungssysteme von Firmen zueinander in Bezug setze, die in Europa vielen Okarinaspielern bekannt sein dürften:

(1) - italienisches Okarina-Septett - Ocarina di Budrio
Erfinder :Guiseppe Donati; aktuell gebaut von Fabio Menaglio
(2) - ocarinamusic, Österreich; (Johann Rotter)
(3) - Focalin/Stein, Taiwan (Zack Zhih)


Zum klassischen italienischen Septett gehören Instrumente in C (do) und G (sol). Rotter benutzt dieses Bezeichnungssystem mit deutschen Notennamen und integrierte Stimmlagen mit anderen Grundtönen in dieses Bezeichnungssystem.

 

Die Tabelle zeigt die Instrumente in C, G und F.

(1)
italienisches
Septett
(2)
Stimmlagen
Okarina
(3)
Stimmlagen
Okarina

(4)
Grundton

 

Mein Lietsch
Okarina-
Trio
Blockflöte
1 do C1 SC C6 / c'''   Garklein

2 sol

  SG G5 / g''    

 

F2 SF F5 / f'' X Sopranino
3 do C3 AC C5 / c'' X Sopran
4 sol G4 AG G4 / g'    
  F4 AF F4 / f' X Alt
5 do C5 BC C4 / c'  

Tenor

6 sol G6 BG G3 / c    
  F6 BF F3 / f   Bass
7 do C7 BBC C3 / c   Großbass

Die auf Okarinas von Focalink/Stein (Taiwan) zu findenden Abkürzungen bedeuten:

S = Sopran
A = Alt
B = Bass
BB = Großbass / Kontrabass


SC bedeutet Sopran in C,

SG bedeutet Sopran in G usw.


Do und Sol sind die Solmisationssilben für C und G, die in Italien als Notennamen benutzt werden.
Die Zahlen, mit denen die Notennamen auf österreichischen und italienischen Okarinas kombiniert sind, sorgen teilweise für Verwirrung, da die Schreibweise mit den Großbuchstaben heutzutage leicht mit der auf elektronischen Stimmgeräten verbreiteten Darstellung der Oktavlagen verwechselt werden kann.
Zu beachten ist, dass die Zahlen auf den Okarinas die Stimmen im Septett (1. , 2. , 3, ... Stimme) benennen und nicht die Oktavlagen! Die Stimmen eines Ensembles werden grundsätzlich von oben nach unten gezählt. Die in digitalen Systemen übliche Zählweise der Oktavlagen beginnt dagegen mit der tiefsten Oktave; sie zählt also von unten nach oben.
In der 4. Oktave treffen sich die Bezeichnungen der österreichischen Okarinas (F4/4F, G4/4G) zufälligerweise mit dem Bezeichnungssystem der Oktavlagen, weil die Okarina AG (4sol/G4) den Grundton G4=g' hat und die Okarina AF (F4) den Grundton F4=f'. Bei allen anderen
Okarinas muss man die abweichenden Bezifferungen beachten.
Neben dem italienischen Okarina-Zähl-System gibt es weitere, die ebenfalls von oben nach unten zählen, deren Zahlen aber eine engere Folge der Grundtöne widerspiegeln. Es ist anzunehmen, dass diese Zahlen vorrangig dazu dienten, die Instrumente in den Waren- und
Händlerkatalogen zu identifizieren. Man findet auf solche Zählsysteme bezogene Zahlen z.B. bei Meissen- und Fiehn-Okarinas. Auch hier ist eine Übereinstimmung der Katalogzahl mit der Oktavlagenzahl reiner Zufall. So hat zwar eine Meissen 5D den Grundton D5=d'', aber bei
allen höheren und tieferen Instrumenten passt es dann wieder nicht.
Für deutsche Blockflötenspieler ist auch die Art der Verwendung der Bezeichnungen Sopran, Alt und Bass bei Okarina-Stimmlagen gewöhnungsbedürftig. Der Grundton der AC ist der
Grundton der Sopran-Blockflöte (C5). Mit der AF passt es. Sie hat denselben Grundton, wie die Alt-Blockflöte (F4). Die BC-Ocarina hat dagegen den Grundton der Tenor-Blockflöte (C4).
Die Vergleiche zeigen, dass Zählsysteme und die Bezeichnungen von Stimmlagen auf unterschiedliche Weise voneinander abweichen und es dadurch leicht zu Missverständnissen kommen kann. Deshalb ist es wichtig, zu klären (am besten mit Tabellen oder Grafiken), welches Zähl- oder Bezeichnungssystem gemeint ist, wenn man sich über Stimmlagen und Tonumfang verschiedener Instrumente austauscht.
Für Multi-Instrumentalisten sind die Stimmlagen am klarsten an der Nennung des Grundtones zu erkennen. Diese Bezugsgröße ist neutral und auf alle Instrumente gleichermaßen anwendbar.

Die Grifftabelle ist für alle Instrumente gleich. Die Instrumente klingen nur unterschiedlich hoch mit verschiedenen Grundtönen.

Klangeigenschaften und Intonation
Die Instrumente von Martin Lietsch zeichnen sich durch eine sehr saubere Intonation aus, die sich mit anderen Instrumenten und auch untereinander gut kombinieren lässt. Dadurch sind sie ensembletauglich und lassen sich als Konzertokarinas klassifizieren. Der weiche, etwas hauchige Klang ist sehr gut mischfähig, ebenfalls eine wichtige Eigenschaft für Blasinstrumente, die im Ensemble gespielt werden sollen.
Wer Ensemble-Instrumente sucht, muss sich beim Einkauf gezielt informieren, welche Instrumente exakt auf den Kammerton a' gestimmt wurden. Es gibt auch Okarinas, deren Grundton von den Standard-Stimmhöhen abweicht. Solche Instrumente werden bei "Ton und
Töne" ebenfalls gut gestimmt. Man muss dann nur selbst ausprobieren, mit welchen Instrumenten sie zusammenpassen.
Im Unterricht benutzen wir natürlich ensembletaugliche Instrumente. Alle Instrumente harmonieren sehr gut miteinander.

Spieleigenschaften
Windkanal - Kernspalt
Ganz allgemein gilt: Die Qualität der Bespielbarkeit hängt sehr stark von der Gestaltung des Windkanals ab. Ein zu weiter Windkanal ist für einen sehr hohen Luftverbrauch verantwortlich. Ein gut geformter, Richtung Labium enger werdender Windkanal sorgt dagegen für einen niedrigen Luftverbrauch. Alle mir bekannten Okarinas von "Ton und Töne" haben einen engen Kernspaltausgang. Dadurch sind sie sehr angenehm zu spielen.
Die Ansprache der Instrumente ist sehr direkt, leicht und stabil.

Grifflöcher
Die Größe der Grifflöcher bestimmt die Tonhöhe: je größer das Loch, um so größer der damit gespielte Tonschritt nach oben.

Da die Tonhöhe bei bauchigen Okarinas durch Steigern oder Reduzieren des Blasdrucks erheblich verändert werden kann, kann über die Festlegung der Grifflochgröße bestimmt werden, mit welchem Blasdruck der jeweilige Ton zu spielen ist: je enger das Loch, um so
größer der erforderliche Blasdruck und um so lauter die Okarina.

Eine ansteigende Blasdruckkurve entsteht, wenn die Grifflöcher so gewählt werden, dass von Stufe zu Stufe mit immer größerem Blasdruck gespielt werden muss.


Alle mir bekannten Okarinas von "Ton und Töne" sind für mittleren Blasdruck ausgelegt. Die Blasdruckkurve steigt nur wenig an. Dadurch haben sie eine mittlere Lautstärke.
Kursteilnehmern mit geübtem Gehör gelingt die korrekte Intonation dieser Okarinas meiner bisherigen Erfahrungen nach sehr schnell und ohne Anstrengung.

Spielhaltung

Die Grifflöcher sind so positioniert, dass sie von Händen unterschiedlicher Größe problemlos gegriffen werden können. Breite Finger haben ausreichend Bewegungsfreiheit. Sehr schmale Kinderfinger müssen ausprobieren, ob sie die großen Löcher der AC gut schließen können.
Bei meinen Schülern ist das kein Problem.

Material, Form und Farben
In meinem Bericht vom Keramikmarkt (Link) findet ihr zahlreiche Fotos von den Farb- und Formvarianten der Okarinas aus der Keramikwerk-statt "Ton und Töne". Mir gefielen die Rauchbrand-Instrumente besonders gut.

Dieses Foto zeigt eine auf der Töpferscheibe gedrehte Okarinas in tiefer Stimmlage.

 

Meine Instrumente sind handgeformte Unikate. Die vom Rauchbrand erzeugten Muster fallen immer wieder anders aus. So ist jede Okarina am Ende unverwechselbar. Es macht Spaß, sich am Marktstand oder in der Werkstatt (Link) sein ganz besonderes Instrument auszusuchen.
Die von mir ausgewählten Okarinas wurden auf unterschiedliche Weise gearbeitet. Die kleinen wurden in Mulden von Hand geformt. Die größere wurde auf der Töpferscheibe gedreht. Die polierte Oberfläche erhielt im Rauchbrand verschiedene grau-braune Färbungen.
Die beiden kleinen Okarinas (SC und AC) wurden mit geometrischen Linien aus feinen Stichen dekoriert.

 

SF - Grundton F5
AC - Grundton C5
AF - Grundton F4

AF - Grundton F4
AF - Grundton F4

Die polierte Oberfläche fühlt sich seidig an und schmeichelt der Hand.
Die Kanten der Grifflöcher lassen sich gut ertasten. Mir liegen alle Instrumente gut in der Hand. Auch die Schüler (Grundschulalter, Sekundarstufe 1), die diese Instrumente ausprobierten, konnten sie alle gut greifen und die Löcher nach kurzer Eingewöhnung sicher schließen. Alle drei Instrumente haben eine flache Rückseite. So liegen sie sicher auf dem Tisch und schaukeln nicht.
Die Vorderseite ist rund aufgewölbt. Die kleinen Okarinas sind am Schnabel quer durchbohrt, damit man ein Lederband durchziehen und die Okarina umhängen kann. Das ist immer praktisch, wenn man die Okarina vor dem Hinunterfallen schützen möchte.


Zusammenfassung
Diese Okarinas haben eine gute Qualität. Sie lassen sich gut spielen. Der Klang ist hauchig mit einem Charakter, der mir gut gefällt.


Der Tonraum ist mit einer chromatisch spielbaren Oktave bzw. einer Oktave + 1/2-Ton nach unten für viele Folksongs, Kinderlieder, Schlager etc. völlig ausreichend und daher ein schönes Instrument für viel Spaß und Unterhaltung. Doch sollte man vor der Kaufentscheidung sein Wunschrepertoire prüfen und kontrollieren, ob es zum Tonraum dieser
Okarina passt. Nicht dass es später enttäuschte Gesichter gibt.

 

Wer noch nie ein Blasinstrument gespielt hat, kann mit diesen Instrumenten wichtige, grundlegende Fertigkeiten lernen, wie z.B. Ansatz, Artikulation, Koordination der Finger, Atmung einteilen usw.
Aufgrund der Spieleigenschaften finde ich diese Okarinas gut für Anfänger geeignet.

 

Das Griffsystem ist allerdings mit keinem anderen mir bekannten Griffsystem verwandt. Daher muss man bei einem Umstieg auf andere Blasinstrumente auf jeden Fall umlernen. Für jemanden, der das Instrument neben einem völlig anders gearteten Hauptinstrument wie z. B. Klavier oder Gitarre lediglich als der Abwechslung dienendes leicht erlernbares Zweitinstrument nutzen will, spielt dies aber vermutlich keine so große Rolle.

Notenmaterial
Speziell für dieses Griffsystem erstellte Noten mit Tabulaturen gibt es bislang nur bei mir. Für meine Schüler stellte ich eine methodische Sammlung für die Erschließung des Tonraums zusammen. Band 1 können Sie bei mir per e-mail bestellen.

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