Keramikinstrumente von Geert Jacobs

18.09.2016

Auf nach Milsbeek zum "Keramisto"!

Bereits vor einigen Jahren hatte ich per Zufall eine Drehorgel mit Porzellanpfeifen im Internet entdeckt. Zu einem der Töpfermärkte oder zu einer historischen Veranstaltung fahren und sie zwischen dem bunten Treiben erleben und besichtigen, das wär's doch!


Dieses Wochenende ergab sich eine gute Gelegenheit : Hans Houkes kündigte an, dass er zusammen mit Geert Jakobs, den inwischen 80jährigen Erbauer der Keramikpfeifen-Drehorgel, zum Keramikmarkt "Keramisto" in Milsbeek kommen würde. Außerdem schrieb er, dass er eine "Huaca" hatte ausleihen können, die von Sharon Rowell, der Erfinderin, gebaut worden war. An solche Instrumente ist kaum noch dran zu kommen.


Das war alles interessant. Aber ca. 160km hin und dann noch mal zurück? Hmmm ... ?

 

Andererseits: Wenn man einen 80jährigen kennenlernen möchte, sollte man das nicht auf die lange Bank schieben. Also los!

 

Geert Jacobs

Bei der Begrüßung erzählte ich Hans Houkes von meinem Anliegen:

Geert Jacobs und seine Porzellanpfeifen-Orgel kennenlernen.

 

Hans stellte mich dem alten Instrumentenbauer vor, erzählte ihm von meinem Fotobericht über seinem Stand in Brunssum und machte es mir auf diese Weise leicht, mit Geert Jacobs ins Gespräch zu kommen.

 

Keramikpfeifen-Orgel

Geert freute sich über mein großes Interesse an der Orgel und erklärte mir in Englisch und Holländisch, was immer ich wissen wollte. Es war sooo spannend!

 

Keramikpfeifen-Drehorgel JacobsLadder
Keramikpfeifen-Drehorgel JacobsLadder

 

Das Prospekt besteht aus 37 mit Blumenranken bemalten Porzellan-Pfeifen. Radkappen, Schwungrad, Kurbelgriff, das kleine Rad im Keilriemen, die dekorativen Spitzen auf Himmel und Pfosten, die Trommelzarge und die an den Ecken aufgehängten Naturhörner sind ebenfalls aus Keramik gearbeitet.

Auf der Karte, die auf der Plattform liegt, ist zu lesen:

Die Keramik-Drehorgel "Jacobsladder" ist die erste und einzige Buch-Orgel der Welt mit handgefertigten Pfeifen aus Ton. Lauscht dem schönen warmen Klang dieser einzigartigen Porzellanpfeifen.

 

Der Klang ist wirklich sehr schön! Er hat mir sehr gut gefallen!

 

Porzellan-Trommel

Zwischen den Seitenpfosten hängt eine kleine Trommel, deren Zarge wie die Pfeifen aus Porzellan ist. Einer der vielen Schläuche im Bauch der Orgel führt zu einem kleinen Blasebalg, auf dessen Rücken ein Schlägel befestigt ist. Bläst der Wind den kleinen Blasebalg auf, wird der daran befestigte Schlägel angehoben. Fällt der Blasebalg wieder zusammen, plumpst der Schlägel auf das Trommelfell.

Windzufuhr

Keramik-Drehorgel JacobsLadder - Schwungrad
Keramik-Drehorgel JacobsLadder - Schwungrad

 

Der Betrieb der Keramik-Drehorgel erfolgt rein mechanisch mit Hilfe einer Handkurbel, die sowohl den Blasebalg als auch die Walze für den Einzug des Lochkartenbuches bewegt.

 

Hier ein Blick auf die geöffneten Walzen und die kleinen Klappen, die während des Betriebs von der nach links geschobenen Plexiglasscheibe geschützt werden.

 

Für jede der Pfeifen ist in dem kleinen Holzrahmen eine Wippe aufgehängt. Federn drücken das linke Ende der Wippen nach unten. Am rechten Ende der Wippe guckt ein Pin nach oben und unter dem linken Ende hängt eine kleine Klappe (nicht sichtbar).

Wird der Pin auf der rechten Seite nach unten gedrückt, hebt sich das linke Ende der Wippe gegen den Widerstand der Feder und die Klappe verschließt den hinter der Klape aufgesteckten Luftschlauch. Sobald der Pin losgelassen wird, drückt die Feder die Klappe automatisch nach unten zurück und der Windkanal ist wieder geöffnet. Auf den Fotos sind die Pinne alle oben und somit alle kleinen Klappen geöffnet. Würde man nun mit der Kurbel den großen Blasebalg in Gang setzen, würden alle Pfeifen gleichzeitig klingen.

 

Seht Ihr links die kleine Holzplatte unter den Wippen? Darunter hängt ein kleiner durchsichtiger Kasten, in den der Blasebalg Luft hinein drückt. Durch die daran hängenden Schläuche wird der Wind zu den einzelnen Pfeifen geleitet. Die Buchstaben unter der Windlade sind die Namen der Töne. So kann man besser erkennen, was wo hingehört.

Die Lochkarten-Bücher

Die Steuerung der Windzufuhr erfolgt mit Hilfe von in Pappe gestanzten Löchern.

 

Das ist eines der zu einem Buch gefalteten Lochkartenbänder. (Daher der Name "Buch-Orgel")

 

Geert kauft die Pappe fertig gefaltet für 4€ den Meter.

 

Auf diese Pappstreifen wird ein ganz gleichmäßiges Raster aufgezeichnet. Die Abstände symbolisieren einen kleinen Notenwert. Je länger das in dieses Raster eingestanzte Loch ist, um so länger bleibt der freigegebene Pin oben und lässt die Klappe zum Luftschlauch geöffnet.

An der Länge der eingestanzten Streifen erkennt man also die Tondauer. Und an der Anzahl der übereinander zu sehenden Lochstreifen kann man die Anzahl der gleichzeitig klingenden Pfeifen ablesen.  

Die Lochkartenbücher fertigte Geert Jacobs selbst an. Dafür hat er eine mit Fuß- und Beinmuskelkraft zu betätigende Stanzmaschine, die im Museum "Pottery Jacobsladder" steht. In so einem Lochkartenbuch stecken bestimmt einige Stunden Arbeit!

Hier wird gerade ein Lochkartenbuch eingelegt. Die oberen Walzen sind noch hoch geklappt.

 

 

Die durch ihr Gewicht auf das Buch gepresste Walzen ziehen den Pappstreifen ein. Dadurch wandert das Buch dann von der linken zur rechten Grube.

Das Lied geht zuende. Noch eins bitte!

Die von Geert erdachten Arrangements klingen wirklich schön!

 

 

Weitere Keramik-Instrumente von Geert Jacobs

Geert Jacobs baute ganz verschiedene Instrumente aus Keramik: Querflöten, Blockflöten, Hörner, Violine, Zupfinstrumente, ...

Auf seinem Tisch fand ich ein interessantes Buch: Barry Hall "From Mud to Music" Es erzählt, wie es dazu kam.

 

Geert Jacobs ca. Jahrgang 1935, eröffnete 1959 ein Töpferstudio an einem malerischen Kanal in Utrecht, Niederlande, wo er seine Keramikarbeiten schuf und verkaufte. Er war Amateurmusiker, hatte als armer Handwerker aber kein Geld, sich ein gutes Instrument zu kaufen.

 

Eines Tages kam ihm die Idee, das Werkstück auf der Töpferscheibe in ein Kesselmundstück zu verwandeln. Als das gelang, experimentierte er immer weiter. So entstanden nach und nach verschiedene Blechblasinstrumente aus Porzellan.

Im Laufe der Zeit ließ Geert Jacobs sich immer wieder zu neuen Ideen inspirieren und so entstanden dann auch die anderen Instrumente, von denen einige im Museum seiner alten Töpferei "De oude Pottenbakkerij" besichtigt werden können.

 

Hier ein kleiner Einblick.
http://www.deoudepottenbakkerij.nl/video.html

 

Ein paar Hörner und eine Geige hatte Geert Jacobs auf seinem Stand ausgestellt. Außerdem bot er Querflöten und Whistles seiner letzten Produktion zum Verkauf an. Andere Instrumente sah man auf Fotos unter anderem auch im oben genannten Buch. Seine Instrumente sind so einzigartig, dass sie in die Sammlungen verschiedener Museen und angesehener Musiker aufgenommen wurden.

Meine neue Herausforderung

Als ich die wunderschönen Flöten in den Händen hielt und probierte, welcher ich mit meiner Spieltechnik am besten die hohen überblasenen Töne entlocken kann, musste ich immer wieder an die Nachricht von Hans Houkes denken, die er vor einigen Wochen auf seiner FB-Seite veröffentlicht hatte. Sie enthält Fotos von Geert Jacobs letzter Flöten-Produktion, bei deren Fertigstellung (brennen, bemalen) Familie und Freunde unter Geerts wachsamen Augen geholfen hatten. Wenn diese Flöten verkauft sind, wird es von Geert Jacobs keine neuen Keramikflöten mehr geben. Denn er muss die Töpferei aus Altersgründen aufgeben.

Hans Houkes zeigte mir virtuos, wie man die von Geert gebauten Blockflöten greift. Geert tut sich da inzwischen etwas schwer.

Wie die Tinwhistles haben Geerts Flöten 6 vorderständige Grifflöcher. Der Tonraum seiner Flöten reicht über zwei Oktaven. Als ich später in Ruhe mit meiner Flöte geübt habe, gelang es mir, den Grundton der Flöte bis zur Terz der 3. Oktave zu überblasen.

 

Um die Flöte problemlos heile Nachhause zu bekommen, erwarb ich auch die schöne, passende Flötenkiste.

Im Hintergrund ist ein Entwurf des Großprojekts Stonehands zu sehen, dass auf der Kreisverkehrinsel vor seiner alten Töpferei aufgestellt wurde.

 

Gebrauchskeramik

Wer mit Instrumenten nichts anfangen kann, der findet bei Geert Jacobs auch Kacheln, Becher, Teller, Schalen und Töpfe mit verschiedenen Dekorationen.

Abschied

Mit interessanten Gesprächen und fröhlicher Musik verflog die Zeit im Nu. Lieber Hans! Lieber Geert! Das war Gestern ein wunderbarer Nachmittag mit Euch! Die weite Fahrt habe ich nicht bereut!

 

Linksammlung

 

Ort des Kennenlernens: Keramisto

Webseite von Keramisto: www.keramisto.nl

Milsbeek: https://de.wikipedia.org/wiki/Milsbeek
Pottery Jacobsladder in Facebook: https://www.facebook.com/pottery-jacobsladder-119086834792940/photos
Infos auf der Webseite der Töpferei / des Museums: http://www.deoudepottenbakkerij.nl/video.html

 

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