Hintergrundwissen Okarinabau - Werkstoff Ton

Kürzlich lauschte ich im WDR3 der Sendung:  Okarina - Gänschen klein

Sie dauert knapp eine Stunde, die aber im Flug vergeht. Es ist eine abwechslungsreiche Collage aus Interviews, Berichten und viel Musik. Der österreichische Okarinabauer Hans Rotter, die deutsche Musik-Dozentin Vera Unfried, der italienische Musiker und  Okarinamuseums-direktor aus Budrio Fabio Galliani, die italienischen Okarinabauer Fabio Menaglio (Budrio) und Benvenuto Fecchio (Grillara im Po-Delta) und andere Musiker und Besucher des Okarinafestial 2014 kommen zu Wort.

 

Als ich Hans Rotter erzählen hörte, dass er den Ton für seine Instrumente aus einer deutschen Tongrube im Westerwald bei Ransbach-Baumbach bezieht, horchte ich auf. Den Namen hatte ich schon oft auf einem Autobahn-Wegweiser gelesen. Also begann ich zu recherchieren.

 

Recherche zum Thema "Ton für Töne"

Ocarinas können aus ganz verschiedenen Materialien hergestellt werden. Ein traditioneller Rohstoff ist Ton.

Wer bereits eine kleine Okarinasammlung mit Instrumenten von verschiedenen Herstellern besitzt, dem ist möglicherweise die unterschiedliche Färbung des gebrannten Tones aufgefallen. Es gibt Instrumente in verschiedenen Rotfärbungen, manche sind schwarz und ganz viele weiß. Das weist darauf hin, dass die Instrumente aus verschiedenen Tonerden hergestellt werden. Nun habe ich mich gefragt, welche Tonerden das sind und woher sie kommen.

In meiner Nähe, also nicht weit vom Vorgebirge, stößt man auf verschiedene Spuren der Keramiktradition.
In der Stadtbücherei Frechen kann man sich ein Buch zum Thema ausleihen:
Göbels, Karl: Rheinisches Töpferhandwerk : Gezeigt am Beisp. d. Frechener Kannen-, Düppen- u. Pfeifenbäcker / Hrsg. v. d. Stadt Frechen [Textill.: Marianne Müller-Kluge].

Interessant an diesem Titel fand ich das Stichwort Pfeifenbäcker! Ob mich das bei meinen Recherchen irgendwie weiter führen könnte?

Lest selbst >klick<  und hier > klick <

Zumindest im Rheinland werden viele eine Pfeife dieser Art mindestens einmal im Jahr in der Hand halten. Mit einer Ocarina hat sie aber leider nichts zu tun.


Frechen ist die Töpferstadt im Rheinland. Das Keramion (Museum für Töpferhandwerk und -Kunst) ist in einem recht ausgefallenen Gebäude  untergebracht. Seine Form erinnert an eine Töpferscheibe. Auf der Webseite des Museums findet man regelmäßig aktualisierte Hinweise auf Ausstellungen und andere Veranstaltungen.
Der Töpfermarkt in Frechen / weitere Info fand 1976 das erste Mal statt und feiert in diesem Mai sein 40. Jubiläum. Ob dort auch Okarinabauer vertreten sein werden? Bislang fand ich keinen Hinweis. Wer sich aber mal selbst im Ocarinabau versuchen möchte, kann sich in Frechen aber zumindest mit dem erforderlichen Material, dem Ton, eindecken.

(>>> Okarinafund auf dem Frechener Töpfermarkt)

Anfang der 1990ger Jahre nahm ich in Köln mehrere Semester an einem Töpferkurs teil. Die Leiterin besorgte den Ton immer in Frechen bei einer Firma, die verschiedene Tonerden, hauptsächlich wohl aus umliegenden Tongruben, für die Weiterverarbeitung vorbereitete und in handliche Quader geformt für den kreativen Endverbraucher abpackte. Zur Auswahl standen rosa (gebrannt beige), gelber (gebrannt rot), dunkelbrauner (gebrannt schwarz) und grauer (gebrannt weiß) Ton, der zum Teil mit unterschiedlich fein gemahlener Schamotte verknetet war. (Schamotte erhöht die Standfestigkeit beim Aufbau von handgeformten Gefäßen) In diesem Töpferkurs sammelte ich meine eigenen Erfahrungen mit dem Bau irdener Instrumente.

 

Da Johann Rotter den Ton für seine Instrumente aus einer Westerwälder Tongrube bei Ransbach-Baumbach bezieht, recherchierte ich weiter und fand die Webseite der Westerwälder Arbeitsgemeinschaft-Ton-e.V. , auf der viele Informationen rund um das Thema Tongewinnung zu finden sind. Unter anderem kann man dort auch den Flyer "Themenweg Ton" herunter laden. Er beschreibt zwei Rundwanderwege, auf denen es viel zu entdecken gibt. Den GPS-Track der blauen Runde findet man >hier< und den für die rote Runde >hier< . Einen Wegweiser zu verschiedenen Museen zum Thema findet man >hier<.

Südwestlich von Ransbach-Baumbach liegt auf der anderen Rheinseite die Tongrube Kärlich. Die Kärlicher Ton- und Schamotte-Werke, kurz KTS, bieten von Zeit zu Zeit Begehungen der Tongrube an. Das sind geführte Exkursionen.

 

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Das sind nun alles keine Informationen, die direkt zur Okarina führen. Aber sie zeigen uns, wo der Werkstoff für die aus Ton gefertigten Instrumente her kommt. Und das finde ich sehr spannend.

 

7.2.2015

(c) E. Stennes-Falter