Ocarina di Budrio - Brillianter Klang aus Italien

Karton der Ocarina di Budrio
Karton der Ocarina di Budrio

(c) E. Stennes-Falter

Heute möchte ich eine Konzert-Ocarina aus Italien vorstellen, genauer gesagt aus Budrio, wo am 1. Mai das diesjährige Ocarinafestival 2015 startet.

Ocarina di Budrio Sol2 von Fabio Menaglio
Ocarina di Budrio Sol2 von Fabio Menaglio

Beschreibung

Die moderne Budrio Ocarina ist ein Blasinstrument aus der Familie der Flöten. Sie wurde 1853 von Giuseppe Donati in Budrio erfunden.


Hersteller: Fabio Menaglio

Herkunftsland: Italien (Budrio bei Bologna)

Name des Instruments: Ocarina di Budrio, Sol 2

 

Okarinatyp: Travers

Konzertstimmung: ja

Anzahl der Kammern: 1

Anzahl der Anblasöffnungen: 1

 

Anzahl der Grifflöcher: 10

Anzahl der Töne: 16

Tonlage: G, Sopran / Sol 2

Grundton: G / sol

Tonraum: G5 bis C7 = g'' - c''''

Griffsystem: italienisch / europäisch

Teil einer Instrumentenfamilie: ja

 

Länge und Breite der Ocarina (incl. Mundstück): ca. 15,5 x 6,5 cm

Gewicht: 74g

 

Zubehör: Grifftabelle

 

Daumenlöcher und Fenster mit Labium auf der Unterseite der Ocarina di Budrio Sol2
Daumenlöcher und Fenster mit Labium auf der Unterseite der Ocarina di Budrio Sol2

Klangbeispiele auf der Webseite des Herstellers.

 

Bezugsquelle

Entdeckt hatte ich die Ocarina da Concerto von Fabio Menaglio, bekannter unter dem Namen Ocarina di Budrio, per Zufall im Onlineshop eines inzwischen aufgelösten deutschen Musikhauses, das sie unter dem Namen des Musikaliengroßhändlers GEWA anbot und Restbestände zu reduzierten Preisen abgab. Diese Gelegenheit mochte ich mir nicht entgehen lassen. Zur Auswahl standen noch Do1 und Sol2. Ich entschied mich für die etwas größere Sol2.

Da die Produktbeschreibungen in der Ausverkaufsliste sehr spärlich waren, konnte ich die Marke der Okarina lediglich an dem typischen Stempel erkennen.

Okarina di Budrio Stempel mit dem Namen des Herstellers F Menaglio
Okarina di Budrio Stempel mit dem Namen des Herstellers F Menaglio

Dieser Stempel war mir schon einige Male bei Internetrecherchen aufgefallen. Ein Instrument aus Budrio hatte ich bis dahin aber noch nicht in der Hand. Daher war ich sehr gespannt, was mich erwartete.

Stimmung der Ocarina

Die Stimmung der Okarina di Budrio erkennt man an ihrem Stempel.

 

Sol   ist der Grundton, auf den das Instrument gestimmt ist

2      ist die Stimmlage 


Der achteckige Stempel bestätigt die Echtheit des Instruments und bürgt dadurch für seine Qualität. Er enthält den Namen des Ortes und des Hersteller:  BUDRIO - F MENAGLIO


Tonraum

Bei den Italienischen Ocarinas werden die Stimmlagen von oben nach unten gezählt. Folgende Angaben konnte ich bislang recherchieren:

Bezeichnung   Tonraum Größe Gewicht
 Do1  chromatisch  C6 - F7 /  c''' - f''''
   
 Sol2  chromatisch  G5 - C7 /  g'' - c''''  15,5 x 6,5cm  
 Do3  chromatisch  C5 - F6  /  c'' - f'''

 Sol4
 chromatisch  G4 - C6  /  g' - c'''

 Do5  chromatisch  C4 - F5  /  c' - f''

 

Das sind die zur Zeit auf Fabio Menaglios Webseite zu findenden Instrumente. Es gibt aber noch größere.

"Sol" ist die italienische Bezeichnung für den Ton "G". "Do" ist die Bezeichnung für C. Die ganze Tonleiter:

do

(ut)

re mi
fa

sol

la

ti

(si)

do

(ut)

 c d
e
f
g
a
h
c


Meine Okarina aus Budrio ist also auf den Grundton G gestimmt. Der Tonraum der 10-Loch-Okarina reicht von G5 bis C7 = g'' - c''''. Das sind 1,5 Oktaven. Tonlage und Tonraum der Okarina Sol2 entsprechen in etwa dem Tonraum einer Sopranino-Blockflöte. Ihre chromatische Tonskala ist allerdings 4 Töne kürzer als die der Blockflöte.

Griffsystem

Grifftabelle für die italienische 10-Loch Travers-Ocarina
Grifftabelle für die italienische 10-Loch Travers-Ocarina

Das Griffsystem war für mich als Blockflötenspieler erst einmal gewöhnungsbedürftig. Wegen der Ähnlichkeiten der beiden Systeme vergreife ich mich immer wieder mal. Um das abzustellen, müsste ich viel häufiger auf dem Instrument üben.


Auf der Facebookseite von Fabio Menaglio entdeckte ich den Hinweis, dass die Ocarina di Budrio seit Dezember 2012 auch mit dem Asiatischen Griffsystem erhältlich ist.

Handling / Gewöhnung an das Instrument

Die Fixierung des linken kleinen Fingers auf dem Griffloch empfand ich zunächst als anstrengend.  Weil ich vom Blockflötenspiel gewohnt bin, den linken kleinen Finger frei zu bewegen, verkrampfte sich meine linke Hand beim Spielen ziemlich schnell.

In der ersten Zeit kam ich mit dem zweiten Daumenloch nicht zurecht. Daher spielte ich zunächst ausschließlich Melodien, in denen zumindest das rechte Daumenloch nicht geöffnet werden muss. Mein Fehler: zum Öffnen des Daumenlochs hob ich die Daumen komplett ab. Mit einem Daumen geht das, aber nicht mit zweien. Dann fällt die Ocarina hinunter. Als ich die Kippbewegung der Daumen heraus hatte, bei der das oberste Daumengelenk als Stütze am Instrument bleibt, kam ich besser klar.

Je mehr ich mit den Eigenheiten der Ocarinahaltung vertraut wurde, um so deutlicher wurde mir, wie gut mir die Okarina di Budrio in der Hand liegt.

Die Okarina ist leicht, aber nicht zu leicht. Die unglasierte Oberfläche der roten Terrakotta-Ocarina ist angenehm griffig und sorgt für einen sicheren Halt.

Es macht mir viel Spaß, darauf zu spielen. Um sie gut zu spielen, muss ich aber noch viel üben. :-)

Klang

Als ich das kleine Instrument aus der Schachtel angelte, war ich noch etwas misstrauisch und befürchtete, dass diese kleine Flöte grell und scharf klingen würde. Aber das Gegenteil war der Fall. Wenn man sie mutig anbläst, entfaltet sich ein sehr schöner kraftvoller und zugleich angenehmer Ton.

Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten eignet sich die Sol2 ausgezeichnet zur Übernahme der Führstimme. Der Musiker Fabio Galliani aus Budrio spielt die Sol2 hier zusammen mit dem Gitarristen V.N. Paradiso:

Die Geschichte der Ocarina di Budrio

Der Hersteller der Ocarina di Budrio Fabio Menaglio steht mit seiner Arbeit in der Tradition von Guiseppe Donati (1836-1925), dem Erfinder und Namensgeber der italienischen Ocarina.

Gefäßflöten aus Ton gibt es schon seit Jahrtausenden. Die Ocarina in ihrer rübenartigen Form ist jedoch eine italienische Erfindung. Die Bezeichnung Ocarina stammt von Donati, der als Junge allerlei Tonpfeifen baute und eines Tages in der Töpferwerkstatt der Eltern auf die Idee kam, eine der dort traditionell als Spielzeug hergestellten Pfeifen so zu vergrößern, dass er für jeden Finger ein Loch hineinbohren konnte. Guiseppe Donati erfand damit die erste in einer diatonischen Tonleiter gestimmte Okarina.


Mit dem Mundstück nach unten gedreht sah die Silouhette der 10-löchrigen Pfeife wie ein kleines Gänschen aus. Oca ist das italienische Wort für Gans und Ocarina heißt Gänschen. Dieser Name blieb der getöpferten Flöte bis heute.

Die in italienischen Töpfer-Werkstätten hergestellten Pfeifchen waren bereits gut 340 Jahre lang ein beliebtes Spielzeug, bevor der 17-jährige Donati 1853 in dem kleinen Dorf Budrio bei Bologna auf die Idee kam, das nur wenige Töne spielende Pfeifchen in ein akurat gestimmtes Instrument zu verwandeln, auf dem man mehr als eine Oktave spielen konnte. So verbreitete sich auch die gestimmte Ocarina recht schnell und wurde zu einem beliebten Volksinstrument, das auch bald von anderen Pfeifchenbauern hergestellt wurde.

Aus dem kleinen Pfeifchen entwickelte Donati auf Wunsch seiner Freunde die klassische Konzertokarina in verschiedenen Stimmlagen. So konnten sie ein Ocarinaorchester gründen und gemeinsam mehrstimmig musizieren.

Noch heute gibt es in Budrio ein Ocarina-Orchester, dem auch Fabio Galliani angehört. Es heißt "Gruppo Ocarinistico Budriese" und erfreut seine begeisterten Anhänger mit Musik unterschiedlichster Art. Hier ein "Vogelkonzert":

Fabio Galliani war einer der ersten Schüler von Paolo Scazzieri, der Mitglied der vorherigen Ocarina-Gruppe in Budrio war und die musikalische Tradition des Ortes begründete. Die Wurzeln dieser Tradition werden allerdings im Unterricht des Maestro Alfredo Barattoni (1882-1948) gesehen.

Zur Zeit (2015) spielt Fabio Galliani in mehreren Ocarina-Ensembles, "Gruppo Ocarinistico Budriese", "Ocarina Ensemble" und "Ensemble Noveento".  Mit der "Gruppo Ocaristico Budriese" (=GOB) nahm er bereits mehrere CDs auf und tourte mit ihnen in Australien, Südamerika, den USA und den meisten europäischen Ländern. Außerdem wurde er als Leiter der GOB in verschiedene italienische Radio- und Fernsehsendungen eingeladen. Und 2008 lud man ihn als Musiker und Dozent nach Japan ein.


Der von Italien aus international agierende Botschafter der Ocarina di Budrio ist in den unterschiedlichsten Musikstilen Zuhause. Im "Cavranera Quartet" spielt er auf Ocarina und Klarinette italienische Volksmusik, im "Ocarinamania Quartet" Jazz. Außerdem singt und spielt er Renaissance- und Barockmusik.

Des weiteren ist Galliani Co-Autor des Buches "1853-2003 - The Sound of Clay: The ocarina from Budrio 150 years on"

Dieses Buch ist derzeit das einzige in Italien, das die Geschichte der italienischen Ocarina erzählt.

Aus Anlass des 150jährigen Jubiläums wurde 2003 das erste Ocarina-Festival in Budrio ins Leben gerufen. Galliani war sein Promotor und bislang Künstlerischer Direktor aller weiteren in Budrio stattfindender Ocarina-Festivals.

Seit 2006 ist Galliani Direktor des Ocarina-Museums in Budrio. Es beherbergt viele wertvolle Instrumente aus aller Welt und dokumentiert die Entwicklung der Ocarina di Budrio von Donati bis heute.

Budrio, das kleine Dorf oder inzwischen Städtchen 20 km östlich von Bologna ist alle zwei Jahre Treffpunkt von Ocarina-Enthusiasten aus aller Welt. Im Web zu findende Fotosammlungen und Videos zeigen, was die Besucher dort erlebten und hoffentlich noch öfters erwartet.

Auf der Webseite des Okarinabauers Fabio Menaglio findet man auf der Seite http://www.ocarina.it/metodo.htm (italienisches) Unterrichtsmaterial und Videos.

Impressionen

In den nachfolgenden Videos

  1. erzählt Fiabio Menaglio von seiner Arbeit;
  2. erhält man einen Einblick in das Ocarinamuseum in Budrio;
  3. wird man ein wenig durch Burdrio geführt;
  4. hört und sieht man einige Rückblicke auf das Ocarinafestival 2011

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