Die Qual der Wahl - Okarinamodelle

Kürzlich hatte ich die Chance, für wenig Geld ein paar Ocarinas aus einer Geschäftsauflösung aufzukaufen. Dadurch steht mir nun weiteres "Versuchsmaterial" zur Verfügung, über das ich nach und nach berichten werde.

 

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass man als Okarinaspieler unweigerlich zum Sammler wird.  ^.^

Mich interessieren beim Sammeln vor allem die verschiedenen Tonlagen und Stimmsysteme. Sie erzeugen jeweils ein anderes Spielgefühl und der Zugang zum Instrument ist dadurch mal mehr mal weniger intuitiv bzw. schwierig.

Wer ganz neu in die Materie einsteigt und nach einem Instrument sucht, überlegt sich am besten zuerst, welche Musik auf dem Instrument realisiert werden soll. Wenn das geklärt ist, sieht man sich an, wie groß der benötigte Tonraum ist. Und anschließend sieht man sich an, welcher Tonraum mit den verschiedenen Instrumenten spielbar ist.

Der Tonraum der 1-Kammer-Ocarinas ist bei manchen Instrumenten sehr begrenzt. Das hängt nicht allein von der Anzahl der Grifflöcher, sondern auch von deren Größe ab und wie vielfältig die daraus resultierenden Griffkombinationen sind. Auf dem von John Taylor entwickelten 4-Loch-System kann eine ganze Oktav gespielt werden. Auf einem linearen 4-Loch-System, wie es unter anderem auch Rotter benutzt, reicht die Spanne lediglich bis zur Sexte. Das schränkt die Anzahl der spielbaren Melodien erheblich ein, kann aber für Kinder trotzdem reizvoll sein.

Um die musikalischen Möglichkeiten der Okarina zu erweitern, wurden Okarinas mit mehreren Kammern erdacht. Die gibt es in ganz verschiedenen Formen.

Während die Double- und Triple-Ocarinas von Stein so gebaut sind, dass die Tonleiter in den kleiner werdenden Kammern fortlaufend nach oben steigt, werden in den Duett-Okarinas von Langley zwei identisch gestimmte Kammern kombiniert. Andere Hersteller kombinieren Kammern, deren Tonraum sich teilweise überlappt und manche fügen noch eine Bordun-Pfeife hinzu. So bietet jeder Okarinatyp andere Möglichkeiten zu musizieren.

Viele setzen sich das Musizieren auf der 10- oder 12-Loch-Okarina zum Ziel und entscheiden sich damit für ein lineares Griffsystem. Das meiner Meinung nach sehr reizvolle englische Griffsystem passt da mit seinen Kreuzgriffen nicht ins Konzept.
Inwieweit es Sinn macht (oder auch nicht), sich bei dieser Zielsetzung mit den linearen Griffsystemen kleiner Pendant-Ocarinas zu beschäftigen, erschließt sich bei Betrachtung der Grifftabellen. Vergleiche zeigen, dass die der kleinen Instrumente von denen der großen abweichen. Um eine sicher konditionierte Auge-Hand-Koordination zu erarbeiten, rate ich einem Einsteiger, sich Instrumente auszusuchen, die mit demselben Griffsystem gespielt werden.

Resumé / mein Rat:
Wer mit mehr als einer Oktave Tonraum musizieren möchte, sollte sich sofort auf das Griffsystem der 10-/12-Loch-Okarina konzentrieren. Wer eine 9-Loch-Okarina von Árpád Takács hat, kann damit ebenso einen Einstieg finden, wie auf 10-Loch-Okarinas. Auf beiden kann man sich eine Basis für die Grifftechnik auf Double- und Triple-Ocarinas erarbeiten. Bei der Wahl einer 12-Loch-Okarina muß man beachten, dass es verschiedene Griffsysteme gibt.

Jedes Okarinamodell liegt ein wenig anders in der Hand und reagiert etwas anders auf den Blasdruck. Also muss man gegebenenfalls verschiedene Okarinaformen durchprobieren, bis man das findet, womit man sich wohl fühlt.


Wenn die Basisgriffe sitzen, kann man sich den erweiterten Ocarina-Formen (Double, Triple, Quadruple) zuwenden. Melodien, die in den Tonraum der 10- und 12-Loch-Okarina passen, gibt es aber ziemlich viele, so dass es sich durchaus lohnt, mit kleineren Instrumenten zu starten.


Doppel-Instrumente mit dem englischen Kreuzgriffsystem bieten ebenfalls einen Tonumfang von zwei Oktaven. Solange sie aber nicht von deutschen Händlern gekauft werden können, ist die Beschaffung leider sehr schwierig und teuer. Ich besitze noch keines und kann daher nicht beurteilen, wie sie sich spielen lassen.

 

Wenn man auf Töpfermärkten oder Mittelaltermärkten nach einfachen Okarinas sucht, macht es Sinn, ein Stimmgerät mitzunehmen. Dann kann man ausmessen, wie die Okarina klingt und beurteilen, ob sie sich für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten eignet.


1.11.2014 (c) stennes-falter

akutalisiert am 13.5.2015

Kommentar schreiben

Kommentare: 0