12-Loch Travers Okarina - Einführung

12-Loch-Ocarinas sind mit Doppellöchern erweiterte 10-Loch-Ocarinas. Die beiden kleinen zusätzlichen Löcher erweitern den Tonraum der 10-Loch-Ocarina nach unten und erleichtern das Greifen der tiefen chromatischen Stufen. Aus diesem Grund nennt man die (rot markierten) Löcher "Subhole".

Wenn man nach einer Griffschrifft (Tabs) für 10-Loch-Ocarinas spielt, bleiben diese beiden kleinen Löcher (Subholes) offen.

 

Für die Anordnung der zwei Zusatzlöcher gibt es verschiedene Varianten. Dies hier ist das System von Focalink/Stein.

12-Loch Ocarina Okarina asiatisches Griffsystem Focalink und Stein
Grifftabelle für die 12-Loch Travers-Okarina mit asiatischem Griffsystem

Die Grifftabelle ist folgendermaßen zu lesen:

Im weißen Bereich werden die Töne der Stammtonleiter angezeigt.

Im grauen Bereich werden die chromatischen Stufen angezeigt.

 

Die Grifflöcher der linken Hand sind unten angeordnet,

die Grifflöcher der rechten Hand oben.

Alles weitere entnehmen Sie bitte der Grafik unter dem Titel.

 

Die Numerierung der Grifflöcher zeigt an, in welcher Reihenfolge die Grifflöcher abgehoben werden, wenn man die Dur-Tonleiter vom Grundton aus spielen möchte.

In diesem Fall startet man mit offenen Subholes (rot).

 

Die Subholes (rot) werden abgedeckt, indem man die rot markierten Fingerspitzen nach vorn streckt. Die Mittelfinger decken dann zwei Grifflöcher gleichzeitig ab.

 

 

 

Welche Noten spiele ich mit meiner Okarina?

Viele 12-Loch Okarinas sind mit einer Markierung versehen, die die Stimmlage und den Grundton der Okarina anzeigt.

 

Spielt man mit einer C-Okarina erklingt vom Grunton aus aufwärts (also ohne Subholes) die Tonleiter:

C D E F G A H C D E F

Die Subholes einer 12-Loch-Okarina erweitern diese Tonleiter nach unten bis zum A:

A H / C D E F G A H C

Beachte, dass die deutsche Bezeichnung H im Englischen B heißt.

 

Auf einer F-Okarina ist der Grundton F und es erklingt die F-Dur-Tonleiter:
D E / F G A B C D E F G A B
Beachte, dass die deutsche Bezeichnung B im Englischen Bb heißt.

 

Auf einer G-Okarina ist der Grundton G und es erklingt die G-Dur-Tonleiter:

E Fis / G A H C D E fis G A H C

 

Die Grifftabelle bleibt stets dieselbe. Man tauscht nur die Notennamen / Buchstaben aus und sucht sich dazu passend die Bezeichnungen für die chromatischen Zwischenstufen. Dabei ist zu beachten, dass auf einer F-Okarina das H (engl B) der Stufe #4 entspricht und das F entspricht auf einer G-Okarina der Stufe b7 usw.

 

In der Okarinawelt ist es üblich, Okarinas als transponierende Instrumente zu nutzen. Das bedeutet, dass man mit einer F-, G- oder xyz-Okarina stets nach denselben Noten und Tabs spielen kann wie die C-Instrumente.  Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten muss man klären, in welcher Tonart gespielt werden soll. Man wählt dann die dazu passende Okarina.
In mehrstimmigen Okarinasätzen wird angegeben, welche Okarinas die verschiedenen Stimmen spielen.

Man braucht also nicht ständig umdenken, wenn man Okarinas in verschiedenen Stimmlagen spielt.

 

asiatisches und europäisches 10-/12-Griffsystem im Vergleich

 Verglichen habe ich Instrumente der eigenen Sammlung sowie Grifftabellen von verschiedenen Herstellerseiten. Dabei zeigte sich:

 

(1)

Die traditionelle Form der italienischen Ocarina weist 10 Löcher auf. Die asiatischen 1-Kammer-Ocarinas haben 12 oder 13 Löcher. Die bis zu drei zusätzlichen Löcher sind in der Regel "Subholes", die das Spielen von bis zu 3 Halbtönen unter dem Grundton ermöglichen.

 

(2)

Ein wichtiger Unterschied zwischen dem asiatischen und dem Europäischen Fingersatz der Travers-Ocarinas ist die Fingerfolge bei den 2 höchsten Tönen:

> die letzten 2 Griffe sind vertauscht
>> Bei einer C Ocarina sind das E und F

 

Das heisst:
- Beim Europäischem System wird für das E ( vorletzter Ton ) der kleine Finger der linken Hand zuerst geöffnet und dann für das hohe F der Daumen der rechten Hand
- Beim Asiatischem  System ist es umgekehrt.

 

Dieses Merkmal findet man nicht nur bei 11-, 12- und 13-Loch Okarinas, sondern auch bei 10-Loch-Okarinas. Belege dafür fand ich bei Claudio Colombo (Clacol), Olivier Gosselink (musique de terre), Robert Hickmann (pure ocarinas) und Hans Rotter (ocarinamusic). Sie alle bieten 10-Loch-Okarinas mit dem asiatischen System an, während die 10-Loch-Okarinas von Fabio Menaglio (ocarina di budrio) und Giorgio Pacchioni das überlieferte italienische Stimmsystem aufweisen.

 

Das Japanische Griffsystem, das 1928 von Aketa entwickelt wurde unterscheidet sich von dem aus Taiwan durch die Position der Subholes. Sie sind nicht auf die rechte und linke Hand verteilt sondern werden mit dem rechten Zeigefinger und dem rechten Mittelfinger gespielt.

Ti Amo (Japan) baut 3 Subholes, mit denen je ein Halbton gespielt wird. Damit erreicht man ebenso wie mit dem 12-Finger-System die Terz unter dem Grundton der Okarina.

 

Das asiatische und das europäische Griffsystem lässt sich an der Größe des Grifflochs für den linken kleinen Finger erkennen. Auf den folgenden Fotos sieht man 10- und 12-Loch Okarinas von "ocarinamusic" (Karin und Hans Rotter). Auf dem Foto erkennt man bei einer Okarina deutlich das große, ovale Griffloch für den linken kleinen Finger. Auf den 12-Loch Okarinas ist das Loch an dieser Position deutlich kleiner.

Grund für diesen Größenunterschied:

Im Europäischen Griffsystem entsteht beim Öffnen und Schließen des linken Kleinfinger-Lochs ein Ganztonschritt, während beim asiatischen Griffsystem nur ein Halbtonschritt überwunden wird.

 

 

Ocarina lernen mit David Erick Ramos

David Erick Ramos hat eine Sammlung guter Lehrvideos erstellt, mit deren Hilfe man die Grundlagen der 10- und 12-Loch Okarina lernen kann:

https://www.youtube.com/playlist?list=PL4hqIpA4A_CcixogiXLoFut-2wXUzYpIg

Viel Spaß beim Okarina spielen!  :-)

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